Harold Halibut: Das handgemachte Game

Ihr Videospiel »Harold Halibut« haben vier Kreative als Stop Motion Point & Click Adventure entwickelt – alle Charaktere und Elemente gestalten sie von Hand.



Es kommt eher selten vor, dass die Designer eines Videospiels zu ihren Arbeitsprozessen Stricken, Kleben, Nähen, Basteln und andere kleinteilige Handarbeit zählen. Für das Team hinter »Harold Halibut« ist das selbstverständlich. Skizzieren, Zeichnen und Malen gehören sowieso zu ihrer Arbeit. Der Grund dafür: »Harold Halibut« ist ein Stop Motion Point & Click Adventure, dessen sämtliche Assets analog aus Materialien wie Holz, Modelliermasse und Stoff handgemacht sind. Visuell unterscheidet sich das Spiel deshalb sehr vom üblichen Game-Design.

Hinter dem Projekt stecken vier kreative Freunde aus Köln mit ganz unterschiedlichen Backgrounds und Spezialgebieten – und einer gemeinsamen Leidenschaft fürs Storytelling. Art Director des Spiels ist der freischaffende Illustrator Ole Tillmann.

»Videospiele sind ein modernes Kommunikationsmittel, und bieten die Möglichkeit, viele Medien zu vereinen und neuartige Wege beim Erzählen unserer Geschichte auszuprobieren«, sagt Onat Hekimoglu, einer der vier Kreativen hinter dem Projekt. »Wir haben heutzutage – durch die Möglichkeiten, die zum Beispiel das Internet bietet, wie Crowdfunding und Selfpublishing – die Freiheit, ein Spiel zu machen, so wie wir es wollen, unabhängig von Firmen und finanziellen Interessen. Die Bildsprache in Spielen ist allerdings oft durch das digitale Medium vorgegeben. Wir möchten uns nicht auf das digitale Medium beschränken, sondern unsere eigene Bildsprache verwenden. Wir wollen etwas machen, das offensichtlich von einem Menschen stammt und somit hoffentlich einen anderen Menschen berührt.«

Die Geschichte ihres Games handelt von Harold, einem »einfachen Mann Mitte 20«, den der Spieler bei seinem unfreiwilligen Abenteuer durch eine malerische Unterwasserwelt begleitet, auf der Suche nach einem Weg, diese Welt vor dem drohenden Untergang zu retten. Dabei muss er zahlreiche Rätsel lösen.

Alle Elemente des Spiels kreiert das Vierköpfige Team – gemeinsam mit Helfern und Freunden – von Hand. »Die Verwendung von Materialien wie Holz ermöglicht aufgrund der natürlichen Materialbeschaffenheit und Textur einen extremen Detailreichtum«, sagt Onat Hekimoglu. »Eine weitere Schönheit des visuellen Stils ist die Zeitlosigkeit. Während 3D-Grafiken schon nach wenigen Jahren altbacken aussehen können, und der Pixel-Stil einiger aktueller Indie-Games uns stets an die Ursprünge der Videospiele erinnert, wird Harold Halibut auch in zehn Jahren noch aktuell aussehen. Der Stop-Motion-Stil des Spiels mit leicht überzeichneten Charakteren soll den Witz der Dialoge und die fantastische Welt auch auf visueller Ebene transportieren. Verrückte Erfindungen, wie ein überdimensionaler Fön, der Harold nach seinen Reisen durch ein durch Wasser angetriebenes Transportröhrensystem trocken fönt, laden zum Entdecken der fremden Welt ein.«

Bild: Der Protagonist des Games als Zeichnung und Puppe

 

 

Bild: Der fertig gebastelte Harold

Basierend auf der Geschichte fertigt das Team zunächst Konzeptzeichnungen für Sets und Charaktere an, die anschließend gebaut und modelliert werden. Dabei verwenden die Gestalter unterschiedliche Materialien – Holz, Metall, Papier und Pappe, Modelliermasse, aber auch einmal alte Spielzeugteile. Da die Puppen animierbar sein müssen, wird zunächst ein Skelett aus Animationsdraht erstellt, das anschließend mit Schaumstoff in Form gebracht und mit flüssigem Latex überzogen wird. Die Köpfe müssen einen sehr hohen Detailgrad aufweisen und werden deshalb aus Modelliermasse erstellt und anschließend bemalt. Mund und Augenbrauen werden erst später am Computer hinzugefügt, damit sie animierbar sind.

Die fertigen Puppen werden dann vor einem Greenscreen animiert und fotografiert – »im Gegensatz zum klassischen Stop-Motion-Film müssen allerdings loopbare Bewegungsabläufe erstellt werden, damit die Interaktivität stattfinden kann«, erklärt Onat Hekimoglu. Auch die fertigen Sets werden fotografiert und anschließend digital korrigiert und ergänzt. Bei der Musik des Spiels verwenden die Gestalter unter anderem auch natürliche Sounds, wie beispielsweise Walgesänge, die gesampled und arrangiert oft die rhythmische Basis der Stücke bilden.

Bis zur Fertigstellung des Games wird es wohl noch eine Weile dauern. Um dieses Ziel schneller zu erreichen, ist das Team auf der Suche nach Sponsoren. Den Kreationsprozess und alle Fortschritte kann man auf der Webseite http://haroldhalibut.tumblr.com sowie auf Facebook verfolgen. Dort wird man auch bald die ersten Gameplayvideos sehen können.




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