Handwerk reloaded

Ab sofort im Handel: PAGE 02.2011



Editorial: Geleit

Mit den neuen digitalen Drucktech­niken haben wir mittlerweile unseren Frieden gemacht“, konstatiert Manufactum auf ihrer Website und fährt fort: „Der direkte Weg von der Fest- auf die Druckplatte hat ja zumindest die Kürze für sich, auch wenn die dabei umgangenen Korrektoren, Metteure, Setzer und Drucker eine deutliche Spur hinterlassen: in Gestalt schwindender typografischer Finesse und explodieren­der Druckfehlerzahlen.“

Oh ja! Der Manufactum-Katalog ist eine einzige Ode an die Beständigkeit inmitten einer Welt im rasen­den Verfall. Nicht nur exklu­sive Akziden­zen aus der Offizin von Martin Z. Schröder (siehe PAGE 08.08, Seite 44 ff.) sind bei Manufactum erhältlich. Selbst das MacBook verhüllt man dort „sicher und ästhetisch zumutbar“, nämlich mit ei­nem mit Filz ausgekleideten Futteral aus altsämisch gegerbtem Hirschleder. Wie formulierte es die „ZEIT“ doch einmal so wunderbar: Der Katalog buchstabiert das Wort „Wertigkeit“ gleichsam in handgesetzten Bleilettern.

Man mag Manufactum nun hassen oder lieben, aber heute, da einem jeder Internet-Provider gegen Überlassung der E-Mail-Adresse ebenso preiswert wie lausig gemachte Visitenkarten ins Haus schickt, entdecken immer mehr Kommunikationsdesigner – und Auftraggeber (!) – wieder den Wert handwerklich gut gemachter Designarbeit. Früher verlangte die Ausübung unse­rer Profession eine Ausbildung, noch dazu waren die Arbeitsgeräte teuer. Inzwischen sind Computer, Bilder und Schriften erschwinglich. Auch ohne ein Grafikdesignstudium lässt sich Mate­rial erstellen, das auf den ersten Blick professionell anmutet. Doch Vorsicht, um noch einmal auf Manufactum zurückzukommen: „Es gibt nichts Gutes, das nicht irgend jemand ein bißchen schlechter und ein bißchen billiger ma­chen könnte.“ (John Ruskin)

Und genau aus diesem Grund werden Werbekampagnen heute wieder auf handgeschöpftem Papier in Kleinauflagen gedruckt (Beispiel: Audi A8); Vogelfedern in aufwendiger Handarbeit zu Buchstaben gelegt, um daraus filigrane Fotogramme zu erstellen (Beispiel: Poster für William Fitzsimmons’ Tour „The Sparrow And The Crow“); oder aber alte Handwerkskunst mit in­novativer Technik gemeistert (Beispiel: der Kranich in Origami-Technik auf unserem Cover). Dieses traditionsreiche Symbol für langes Leben hat Projekt­triangle Design Studio für PAGE mit Rhino 3D generativ erstellt. Ja, es gibt sie wieder, die guten Dinge – Handwerk reloaded, siehe Seite 20 ff.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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