Gutes Design / Böses Design – Funktional? Ökologisch? Sexy?

Ab sofort im Handel: PAGE 07.2012



Editorial: Sustain

»Design wird verschwinden«, be­­haup­­­­ten die einen – »Design steigert den Umsatz«, die anderen. Ein Widerspruch? Keineswegs. Beide Aussagen treffen den Kern der aktuellen Debatte um die Verantwortung im Design, um Fragen wie: Was ist gutes Design? Steht die gute Form noch immer auch für das moralisch Gute? Ist das Gegenteil von gut böse? Kann Design, das Geld generiert, überhaupt schlecht sein?

Doch der Reihe nach: Was die Ulmer, genauer gesagt Max Bill, mit dem Begriff der »guten Form« etabliert haben, war schon immer weit mehr als die rein funktionalistische Durchgestal­tung der Lebenswelt. Zum Selbstverständnis des Kreativen gehörte die ge­sellschaftliche Verantwortung. Das Gu­te am Produkt sollte sich auch daran messen lassen, ob die Rohstoffe oh­ne Unterdrückung gewonnen waren.

Und heute? Wie ist es heute um die gute Form bestellt? Schauen wir uns Apple an. Das designgetriebe­ne Unternehmen erzielt Gewinne in Milliardenhöhe. Kein Wunder, es folgt konsequent Dieter Rams’ Maxime »Gutes Design ist so wenig Design wie möglich«. Und das nicht nur in puncto Form­gebung, sondern auch mit der Fokussierung auf Unsichtbares: auf Service Design. Apple hat es geschafft, ein Smartphone mit einem funktionalen, sexy User Interface zu kreieren, und darüber hinaus vorgemacht, wie man Kunden mittels smarter Services wie zum Beispiel iTunes oder iCloud in ihrem Tun unterstützt. Doch auch die bösen Seiten Apples – will sagen die prekäre Situation in den Produktionsstätten in China sowie die Kriege um Coltan zur Herstellung der Mikrokondensatoren eines jeden Mobiltelefons – sind uns hinlänglich bekannt. Dennoch: Wir sind Fans.

Und das wirft gleich eine Reihe von weiteren Fragen auf: Kaufen wir Dinge, nur weil sie umweltfreundlich und nach­haltig sind, oder kaufen wir sie nicht vielmehr deswegen, weil wir sie mögen? Kann gutes Design Verantwortung durch sich selbst erzeugen? Und verschmilzt es geradezu zwangsläufig mit jedem nur denkbaren Prozess oder Projekt? Löst sich die Trennung von Entwurf und Produktion gar ganz auf, sodass das Wort »Design« obsolet wird? Oder anders herum gefragt: Wenn immer mächtigere Technologien die Materialität verdrängen und sich alles ins Internet verlagert, was bleibt uns Designern dann eigentlich noch zu gestalten? Worin liegt unsere Aufgabe? Kurzum: Was ist gutes Design? Antworten, siehe Seite 26 ff.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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