Großartige Diplomarbeit über Bürokratie

Jeder hasst sie, niemand kommt um sie herum. Mit Paulina Hoffmanns Arbeit macht die Bürokratie aber immerhin ein bisschen mehr Spaß.



 

Paulina Hoffmann hat sich mit ihrer Diplomarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart keine leichte Aufgabe gesetzt: das komplexe und trockene Thema Bürokratie ansprechend, interessant und überraschend aufzuarbeiten. Das hat sie in zwei Teilen aber meisterhaft getan.

In dem Buch »Bürokratie – der graue Apparat« geht sie dem Thema ernsthaft auf den Grund. Dafür führte sie Interviews mit Bürokratie-Experten – u.a. einem Verwaltungswissenschaftler, einem Mitglied des Normenkontrollrats der Bundesregierung, einem Soziologen, einem Sprachwissenschaftler, der sich mit den Wortungetümen der Behördensprache beschäftigt und dem Pressesprecher des DIN-Instituts.

Daneben gibt es Grafiken, Statistiken und Infotexte zu Mythen wie der EU-Norm für Gurkenkrümmung, der grausam effektiven Bürokratie der Nationalsozialisten, dem Konzept der Anarchie als Gegenmodell usw.

Für die Gestaltung wählte Hoffmann die Farben »Finanzamt-Grün« und »Formular-Rosé« und kombinierte sie mit »Mahnungsschreiben-Rot«. Als Paginierung dient eine Art Aktenzeichen, als Schrift die DIN Pro. Zitate im Fließtext sowie Bildunterschriften sind extrem gesperrt und erinnern an die Unart von Ämtern, jedes Wort in Blocksatz zu zwängen.

Alles im feinsten Behörden-Look also.

Der zweite Teil der Arbeit macht besonders Spaß: Dabei handelt es sich um ein »Bürokratie-Kit für den Hausgebrauch«. Damit lässt sich zum einen jegliche Behörden-Korrespondenz übersichtlich und hübsch in Ordnern aus braunem Recyclingpapier mit personalisierten Registerkarten verpacken. Zum anderen dient das Kit auch zum Abbau des Frusts, der einen unweigerlich befällt, wenn man sich mit Bürokratie-Kram beschäftigen muss.

Das Briefpapier ist mit Zitaten aus Franz Kafkas »Prozess« gespickt, sie subtil Kritik am System äußern (z.B. »Man rebelliert eben immer«). Auch mit Stempeln kann man seine Wut und Frustration zum Ausdruck bringen (z.B. »Hä?«). Und bei ganz großer Verzweiflung hilft ein Antwortformular mit bissigen Texten zum Ankreuzen. Herrlich!

Hier sehen Sie die Details:

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2 Kommentare


  1. Lisa Leone

    Geniales Konzept, mit viel Feingefühl umgesetzt. Like, like, love!


  2. Stephanie Bunn

    Was für eine großartige Idee! Intelligent, witzig, messerscharf auf den Punkt gebracht.


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