Gestalterisches Highlight: Die Kampagne der Ruhrtriennale 2016

Erneut hat die Agentur Base Design die Image-Kampagne der Ruhrtriennale gestaltet – und einmal mehr ist diese so en vogue, wie bildgewaltig und intelligent.



Ruhrtriiiennale: Plakatmotiv Produktionssujet

Üblich bei der Ruhrtriennale ist, dass die drei Jahre über, die ein künstlerischer Leiter für das Festival der Künste im Ruhrgebiet zuständig ist, auch dessen Erscheinungsbild seinen Wiedererkennungswert behält.

Auf den Festivalleiter Heiner Goebbels und das Frankfurter Studio Aoki & Matsumoto folgte im letzten Jahr der Intendant Johan Simons und die internationale Kreativagentur Base Design, die mit der Schrift NewParis Skyline gestalterisch ein Statement setzte. Die exzentrischen und formvollendet geschwungenen Initialen des Fonts entdeckten die Gestalter fast durch Zufall im Glyphenset und setzen mit ihnen nicht nur das Festivalmotto »Seid umschlungen« um, sondern die gesamte Kampagne.

Die Schrift bleibt und auch der gestalterische Dreiklang aus Typografie, Bild und neuem Logo mit drei iii, aber insgesamt sind die Kampagne – und das Festivalmotto selbst, politischer geworden.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlich heißt es – und gleichzeitig wird hinterfragt, was das heute eigentlich bedeutet.

Die Farben Rot und Weiß wurden dafür durch Pastelltöne ersetzt, die einst Markenzeichen gedruckter politischer Pamphlete waren und heute en vogue sind und verhindern, dass die Kampagne trotz der Vielfarbigkeit, nicht zu bunt wird.

Sah man, gerade nach den Attentaten in Paris den Wahlspruch Freiheit, Gleichheit, Brüderlich an zahlreichen Häusern in Frankreich hängen, sind die drei Begriffe auf den Plakaten der Ruhrtriennale immer nur einzeln zu sehen. Denn es soll nicht nur die berühmte Parole zitiert werden, sondern die einzelnen Begriffe näher beleuchtet.

Was bedeutet Freiheit? Wie weit geht sie und wo hört sie auf? Hatten Satre und die Existentialisten Recht, wenn sie postulierten, dass die eigenen Freiheit dort aufhört wo die des anderen anfängt? Endet die Freiheit heute am Grenzzaun? Und was bedeutet Gleichheit heute? Was für die Solidarität mit Geflüchteten? Wo fängt die Brüderlichkeit an und wo die Glaubensbruderschaft?

»Es sind diese zentralen Werte der Aufklärung, auf denen die europäische Kultur fußt«, sagt Intendant Johan Simons, und: »Europa ist ein Versprechen, ein großartiges. Das Ruhrgebiet liegt im Herzen Europas, und hier wollen wir mit der Ruhrtriennale den Blick auf diese Werte lenken.«

Ganz undogmatisch und keineswegs moralisch will die Kampagne dabei zum Nachdenken anregen – ganz wie die Ruhrtriennale Zeitung, die ab heute erhältlich ist.

Dazu werden einzelne Veranstaltungen – wie die Videoinstallation Manifesto (Abb. oben) mit Cate Blanchett – in Plakaten aufgegriffen, die Aufführung von Stockhausen als Font-Sound-Cloud inszeniert oder gefragt: Was glaubt ihr denn?

 

 

 

 




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