Liquid Layouts – Das neue Layouten

Ab sofort im Handel: PAGE 03.2014



Editorial: White Paper

 

Zu viel Weißraum soll Unbehagen ver­ursachen? Haben Sie das auch gele­sen? Die Angst vor dem leeren Blatt Pa­pier mag ja nachvollziehbar sein. Aber Unwohlsein bei Weißraum im Sinne von unbedrucktem Raum auf einer Seite? Stellt er nicht noch immer ein proba­tes Gestaltungsmittel dar, um Lesefreund­lichkeit und Leselust zu erhöhen?

Als Apple im letzten Jahr mit ihrem neuen Betriebssystem iOS 7 aufwarte­te, wurden wir eines Besseren belehrt: Nicht nur die animierte Benutzeroberfläche mit Zoom- und Parallaxeffekten monierten die User, auch den Weißraum in diversen Apps. Die neue Optik sei zu hell und zu hart für die Augen. Einige Nutzer klagten gar, dass ihnen beim Anblick der Apple-Software regelrecht schlecht würde. Müssen wir uns etwa eingestehen, dass nicht alles, was technisch machbar ist, auch sinnvoll ist, und sogar althergebrachte Gestaltungsprinzipien über Bord werfen?

Auch beim Gebrauch von E-Readern wie Kindle und Co kann einem übel werden. Sie weisen noch immer eine Typografie auf, die nicht nur das Auge eines Designers beleidigt, sondern auch dem typografischen Laien das Le­sen verleidet: Verlage kümmern sich kaum um gute, lesbare Schriften, mitunter aus finanziellen Gründen, da es eine Lizenzfrage ist; die Endgeräte sind zu unterschiedlich, als dass Entwickler und Gestalter allen Eventualitäten gerecht werden könnten; und zuletzt entscheidet der User über die Schriftgröße und damit auch über die Löchrigkeit des Blocksatzes. Da sind gestalterische Unzulänglichkeiten vor­programmiert. Müssen wir uns damit also zufrieden geben oder aber zu starren Layouts zurückkehren?

Nein. Das Ende der statischen Doppelseite ist spätestens seit Erscheinen des iPads besiegelt, darüber ist jeder Zweifel erhaben. Liquid Layout lautet das Gebot der Stunde: Tablet- und Web­magazine können sich horizontal oder vertikal ausdehnen, mehrere Ebenen haben, teilweise oder ganz animiert sein, einen Videohintergrund besitzen, sich quasi verflüssigen. Auch Printlayouts müssen von Anfang an in beide Richtungen gedacht werden, gibt es doch kaum mehr eine Publikation, die nicht auf digitale Devices portiert wird.

Doch sich immer weiter vom Printprodukt wegzubewegen und dennoch ein konsumierbares Werk und keine irritierende Umgebung zu schaffen ist eine Gratwanderung. So empfiehlt es sich, zum Beispiel auch gerade in den digitalen Medien, mit viel Weißraum zu arbeiten. Und wer sagt denn, dass dieser weiß sein muss? – Das neue Layouten, siehe Seite 20 ff.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher

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