Die Klimakiller – Wer schadet dem Klima am meisten?

Die Designerin Jenny Lettow entwickelte ein Gesellschaftsspiel, das Spielern humorvoll das Thema Klimaschutz näher bringt. Wir sprachen mit ihr über die Idee.



Bild Die Klimakiller

Die Tussi, der Manager oder der Aktivist – wer ist der größte Klimasünder? Im Gesellschaftsspiel »Die Klimakiller« wetteifern sie darum, durch möglichst hohe CO2-Produktion der Umwelt zu schaden. Entwickelt und gestaltet hat das Spiel die in Berlin lebende Designerin Jenny Lettow. Wir sprachen mit ihr über ihre ungewöhnliche Idee – und das tatsächliche Spiel des Ziels.

PAGE: In welchem Rahmen ist das Projekt entstanden?

Jenny Lettow: Das Projekt entstand im Rahmen meiner Diplomarbeit an der HTW Berlin.

Was war die Inspiration oder Ausgangsidee für das Spiel? Wie kamst Du darauf, ein Spiel zum Thema »Klimaschutz« zu entwickeln?

Da ich sehr gerne Gesellschaftsspiele spiele, stand für mich schnell fest, dass ich während meiner Diplomarbeit ein Brettspiel entwickeln werde. Inhaltlich wollte ich das Spiel gerne mit einem gesellschaftspolitischem Thema verbinden. Während meiner Recherche stieß ich in sämtlichen Medien ständig auf die brisante Problematik »Klimawandel«.  Ich fing an, Umweltspiele zu untersuchen und stellte fest, dass all diese Spiele immer mit einem »erhobenen Zeigefinger« daherkommen und mir meist keinen Spaß machen. An diesem Punkt entstand die Idee, ein quasi umgedrehtes Spielprinzip zu entwickeln: die Spieler dazu aufzufordern, mal so richtig die Klima-Sau rauszulassen und durch enorm hohen CO2-Verbrauch Klimakatastrophen zu erzeugen, durch die am Ende die Welt zerstört werden soll. Dieses Spielziel sorgt erst einmal für Irritation und weckt damit Interesse. Während des Spielens wird dennoch gelernt, wie man mit kleinen alltäglichen Dingen dem Klimawandel entgegen wirken kann.

Wie genau funktioniert das Spiel »Die Klimakiller«?

»Die Klimakiller« ist ein kooperatives Spiel. Das heißt, dass alle Spieler zusammen spielen und das gemeinsame Ziel haben, die Welt zu zerstören. Jeder Spieler zieht zu Beginn eine Charakterkarte, die jeweils mit besonderen Eigenschaften verknüpft ist und ein großes Klimasünden-Gebiet wie zum Beispiel Mobilität oder Haushalt verkörpert. Dann werden in jeder Runde reihum sogenannte Emissionskarten gezogen, die allerlei Aktionen darstellen, mit denen herrlich viel CO2 verpulvert werden kann. Beim Ausspielen dieser Karten erhalten die Spieler kleine CO2-Steine, die sie gegen Klimakatastrophen-Steine eintauschen können. Das Spielbrett zeigt eine große Weltkarte mit markierten Vertiefungen, auf denen die Katastrophen an den entsprechenden Stellen fröhlich verteilt werden. Einige Katastrophen wie zum Beispiel Wüstenbildung, Nahrungsmangel und Völkerwanderung bauen aufeinander auf und müssen in der richtigen Reihenfolge ausgespielt und ineinander gesteckt werden. 

Die Spieler haben dabei die ganze Zeit Einblick in die Karten der anderen, verwalten die CO2-Steine zusammen und entscheiden nach gemeinsamer Absprache ihr sündiges Vorgehen. 

Damit das Ganze nun nicht zu einfach und langweilig wird, müssen die Spieler leider in jeder Runde eine sogenannte Klimaschutzkarte ziehen. Diese Karten beinhalten Aktionen, die das Ziel die Welt zu zerstören ordentlich erschweren. So müssen zum Beispiel mühsam erarbeitete CO2-Steine wieder vom gemeinsamen CO2-Haufen genommen werden, weil lästige politische Kampagnen dafür sorgen, dass weltweit der CO2-Ausstoß zurück geht. Damit nicht genug, gibt es noch einen weiteren Mechanismus gegen den die Klimakiller ankämpfen müssen. Auf dem Spielbrett befindet sich eine Skala, die das Gewissen der Klimakiller darstellt. Zu Beginn des Spiels steht der Marker auf »Kein Gewissen«. Im Laufe des Spiels ziehen die Spieler aus dem Stapel mit den Klimaschutzkarten ab und an eine Gewissenskarte, die ihnen jedes Mal ordentlich Gewissensbisse verschafft. Sie müssen es schaffen, die Welt komplett mit Klimakatastrophen zu bedecken und zu zerstören bevor sie die letzte Gewissenskarte ziehen und ihr Gewissen so furchtbar schlecht wird, dass sie ihr Tun abbrechen müssen und damit verloren hätten.

Wer war an der Gestaltung und Umsetzung beteiligt? 

Das Spiel wurde von mir gestaltet. Unterstützt wurde ich dabei von meinen Mentoren Franz Zauleck, Prof. Jürgen Huber und Gisela Matthes. Beim Anfertigen des Prototyps hatte ich zum Glück einige helfende Hände aus dem Freundes- und Familienkreis zur Seite.

Gibt es das Spiel bereits als fertiges Produkt – oder existiert es bislang nur als Konzept?

Es gibt einen voll funktionstüchtigen Prototypen, der gespielt werden kann.

Ist das Spiel im Handel erhältlich bzw. wird es erhältlich sein?

Das Spiel ist noch nicht im Handel erhältlich. Für eine Serienproduktion müssten vermutlich auch einige der Kleinteile vereinfacht werden. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das Spiel in einer Kleinauflage produziert und dann an Schulen und Institute verliehen oder in Spielecafés gespielt wird. Ich habe diesbezüglich bereits Kontakt mit Klimaschutz-Organisationen aufgenommen, die Interesse an einer solchen Umsetzung haben.

Die folgende Bildergalerie vermittelt einen Eindruck des kooperativen Klimakillerspiels.




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