Corporate Design für ein Restaurant

Die Ornamentik des Orients upgedatet: Das Studio Rose Pistola und Gestalter Andreas Homann entwickelten für das Restaurant Pageou ein Erscheinungsbild, das Biografie und Design auf besondere Weise verbindet.



Pageou klingt französisch, ist aber der Name des anatolischen Heimatdorfes aus dem der Sternekoch Ali Güngörmüş stammt. Einst eine Ansiedlung von wenigen Lehmhüten, ist es heute verschwunden.

In München aber, in der edlen Einkaufspassage Fünf Höfe, lebt Güngörmüş‘ Heimatdorf jetzt in gewisser Weise weiter und wird im Erscheinungsbild und in der Ausstattung daran erinnert.

Der Fährte in die Vergangenheit Güngörmüş‘ folgen das Designstudio Rose Pistola und der Gestalter Andreas Homann, der zuletzt durch seine Redesigns der Magazine art und Szene Hamburg für Aufsehen sorgte.

Neben dem Namen und dem Familienporträt von Güngörmüş‘ Großvater, das ohne nähere Erklärung im Gastraum hängt und Stoffbeuteln, deren Gestaltung augenzwinkernd mit anatolischen Motiven spielt, steht besonders die Ornamentik, die im Orient eine besonderen Rolle einnimmt, im Zentrum.

Puristisch, mit leichtem Retro-Charme und weit entfernt von jeglicher Folklore, ist sie Teil des Logos, das neben der Wortmarke aus eigens gezeichneten Lettern und einem runden, stilisierten Muster besteht, das sowohl die Geradlinigkeit Güngörmüş‘ Küche symbolisiert als auch Feuer und Wasser als Grundelemente des Kochens.

Darüber hinaus durchzieht die Bildmarke die Geschäftsausstattung, ist in die Holzverkleidungen des Restaurants gefräst, findet sich auf eigens gebrannten Kacheln, im Leitsystem im Treppenhaus, auf der Website und in den Speisekarten.

Das typografische Gesamtbild hingegen besteht aus der Kombination der Schriftfamilien Campton und Choplin von Typedesigner Rene Bieder, die bereits beim Entwurf harmonisch aufeinander abgestimmt wurden. Während Campton, die an die Schriften der klassischen Moderne anknüpft, vor allem in den Informationstexten des Pageou eingesetzt wird, findet sich Choplin vor allem in Headlines und wird für typografische Akzente genutzt.

Ein besonderes Element, das einzig live vor Ort wirklich zur Geltung kommt, ist die »Sonne des Pageou«, eine große, gehämmerte Metallscheibe deren Reflexionen an das Sonnenspiel in Ostanatolien erinnern, an die heißen Sommer und die flirrende Hitze und die auch das Nazar-Amulett zitieren könnte, das »Türkische Auge«, das den »bösen Blick« abwenden soll.

Damit ist das Interior Design, das Nora Witzigmann und Karoline Butzert entwickeln, ein weiterer Baustein in der schönen Melange aus Grafikdesign, Typografie, der Biografie Güngörmüş und seiner alten und neuen Heimat, worüber wir ebenfalls in der aktuellen PAGE 2.2015 berichten.




Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *

 
 

Das könnte Sie auch interessieren