Interviews rund um die Welt: By the way

Die Kommunikationsdesignerin Magdalena Kahr macht eine Reise um die Welt und spricht mit Menschen zwischen Wien und Hawaii darüber, wer sie sind. Ihre Gespräche hält sie in einem Videoblog fest.



Bild By the way

 

Eine Warnung: Wenn Sie unter akutem Fernweh leiden, sollten Sie diesen Artikel vielleicht besser nicht lesen. Denn die Reise, die Magdalena Kahr gerade macht, führt sie von einem Traumziel zum anderen. Überall, ob in Südafrika, Hawaii oder Kambodscha, unterhält sie sich mit Menschen darüber, wer sie sind und veröffentlicht anschließend ein Video über das Gespräch in ihrem Blog »By the Way«. Das Projekt ist ihre Masterarbeit an der FH Joanneum in Graz, an der Magdalena Kahr »Communication, Media and Interaction Design« studiert.

Wir stellten der Designerin ein paar Fragen zu ihrem Reiseprojekt.

PAGE: Wie kamst Du auf die Idee zu »By the Way«?

Magdalena Kahr: Ich wollte ursprünglich meine Masterarbeit dem Thema Identität widmen. Konkret ging es mir darum, dass Wohnort, Job und Umfeld Komponenten sind, die sich jederzeit ändern können und dass man daher die Identität nicht mehr daran knüpfen kann. Daher muss man sich selbst bewusst mit dem Thema Identitätsfindung auseinandersetzen und entscheiden, wer man ist. Sonst läuft man Gefahr, selbst zur Variable zu werden. Für mich ist das gerade jetzt mit Abschluss des Studiums eine entscheidender Punkt, gerade weil ich mich entscheiden musste, wo und was ich genau arbeiten will bzw. ob ich ins Ausland gehen oder hier bleiben will.

Als ich dann im März nach Südafrika gefahren bin und die Leute gefragt habe, wer sie sind und was sie zu dem gemacht hat, haben sie eigentlich alle angefangen, von ganz anderen Dingen zu reden. Eine Dichterin hat mir erzählt, welchen Unterschied es macht, ob man in Südafrika als ‚farbig‘ oder ’schwarz‘ eingestuft wird, eine Buchhändlerin hat von der endlos weiten Landschaft von Namibia geschwärmt und eine Tierpflegerin hat vom Aussterben der Arten gesprochen. Und das alles so nebenbei – eben ‚by the way‘ haben sie mir erzählt, was sie wirklich bewegt. So bin ich dann zu meinem Titel und Projekt gekommen.

Bild By the way
 

Bilder: Screenshots aus Interviews

Wann hast Du Deinen Videoblog gestartet – hast Du ihn schon in Österreich vorbereitet?

Die ersten Interviews habe ich im März in Südafrika geführt, weil ich schauen wollte, ob mir die Interviewpartner überhaupt etwas erzählen – und vor allem was. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keinen Blog, da ich mir wirklich nicht sicher war, wie gut es funktionieren würde. Beim Videoschneiden ist mir dann das Thema eingefallen und auch, dass ich Hintergrundinformationen mithilfe von Einblendungen zu den jeweiligen Themen machen will. Danach habe ich den Blog vorbereitet und jetzt bin ich seit 7. August bis Mitte November unterwegs.

Wo bist Du zurzeit und wohin wird Dich Deine Reise noch führen?

Zurzeit bin ich in Indonesien, auf der Insel Nusa Lembongan. Hier habe ich auch schon ein Interview mit einer indonesischen Kochlehrerin geführt. Die Videos gehen immer mit rund zwei Wochen Verzögerung online, weil ich sie ja schneiden, über das Thema recherchieren und die Einblendungen machen muss. Ab September bin ich dann in Australien, danach in Neuseeland, Hawaii, Vancouver und abschließend in New York. Insgesamt umfasst das Projekt fünf Kontinente. Die genaue Route ist als Bild in meinem Blog zu sehen.

Bild By the way

Bild: die Reiseroute

Wie wählst Du die Personen aus, die Du in Deinem Blog zu Wort kommen lässt?

Eigentlich frage ich immer Leute, mit denen ich persönlich gerne reden würde, die irgendwie so aussehen, als hätten sie eine Geschichte zu erzählen. Denn genau die würde ich gerne hören. Es kostet zu Beginn immer ein bisschen Überwindung, fremde Leute zu fragen. Ich will aber auch den Leuten die Möglichkeit geben, freiwillig daran teilzunehmen und falls wer auf meiner zukünftigen Route liegt, freue ich mich sehr über Anfragen.

Was ist das Ziel oder Deine Absicht hinter »By the Way«?

Ich glaube, dass man fremde Kulturen und Lebenseinstellungen nur verstehen kann, wenn man in das jeweilige Land fährt und mit den Leuten spricht. Wenn man seine Reisen auf Strände und Sehenswürdigkeiten beschränkt, hat man wahrscheinlich eine angenehme Zeit, aber über die Kultur des Landes wenig gelernt. Gerade das will ich aber – und ich hoffe, dass durch das Projekt auch anderen Menschen die Möglichkeit geboten wird, ohne in der Weltgeschichte herumzureisen einen Einblick in andere Kulturen zu bekommen.

Vielen Dank für Deine Zeit und gute Reise!


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