Bilderrausch im Bademantel

Quo vadis Editorial Design? hieß es am letzten Wochenende bereits zum vierten Mal auf der von der Typographischen Gesellschaft München (tgm) veranstalteten Konferenz Qved.



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Print lebt, das war den Besuchern schon am Ende des ersten Tages klar. So viele tolle Magazinprojekte gab es zu sehen, von »The Outpost« von Ibrahim Nehme aus Beirut über »Das Buch als Magazin« von Joanna Mühlbauer und Peter Wagner bis in die Slums von Kenia, wo Harrison Thane und Tom Grass mit Kindern und Jugendlichen Zines erstellen. Höhepunkt des ersten Tages war sicher der Vortrag des italienischen Kreativen Francesco Franchi. In der Art eines Hochgeschwindigkeitszugs rauschte er durch seine großartigen Arbeiten – manch einer hätte sich gewünscht, er hätte etwas weniger gezeigt und etwas mehr erklärt.

Qved3Tom Grass und Harrison Thane

 

Qved4Francesco Franchi

 

Digitaler wurde es am Freitag. Gail Bichler, Designdirektorin des »New York Times Magazine« stellte den Relaunch des Magazins in Print und Web vor und »Zeit online« Chefredakteur Martin Kotynek und Christian Hanke von Edenspiekermann erzählten launig anhand des »Zeit online« Relaunches, wie man zehn Millionen Leuten die Welt erklärt.

Qved7Gail Bichler

 

Fotograf, Künstler und Illustrator Andreas Baier galoppierte durch eine Flut seiner teils puren, teils aufwendigst in Photoshop bearbeiteten Bilder, von denen jedes für sich eine ausgiebige Betrachtung wert gewesen wäre. Warum er dabei seinen Bademantel trug verriet er nicht.

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Andreas Baier

 

Getreu dem Motto: das beste bis zum Schluss aufheben, bildete der letzte Vortrag den Höhepunkt: Debbie Millman, Gestalterin und Autorin, und laut Graphic Design USA eine der einflussreichsten Designerinnen unserer Zeit, erzählte so unglaublich offen und uneitel über all ihre Fehlschläge und Misserfolge, dass der Applaus am Ende gar nicht verstummen wollte.

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Debbie Millman

 

QVED hat eine kleine Schwester namens QVIG bekommen (was im übrigen zu einiger Verwirrung führte), und so stand der Samstag Vormittag unter der Frage »Quo vadis Infographic?« Professor Michael Stoll von der Fachhochschule Augsburg und Boris Kochan, die die QVIG kuratierten, hatten eine Reihe spannender Redner nach München geholt. Zum Beispiel die Infografik-Ikone Nigel Holmes, der sympathischerweise nicht seine eigenen Arbeiten präsentierte (die konnte man in einer Ausstellung im Gang betrachten), sondern statt dessen wunderbar britisch von seinen »Giants of infographic« erzählte (Harry Beck, Otto und Marie Neurath, Gerd Arntz, Herbert Meyer) und allen Anwesenden nachdrücklich ans Herz legte: »Don’t be dazzled by Data!«

Qved8Nigel Holmes

 

37 Vorträge an drei Tagen – die Kuratoren Boris Kochan, Horst Moser und Steven Watson hatten jede Menge hochkarätige Leute aus der ganzen Welt in die wunderschöne Alte Konzerthalle in München gebracht, die die Themen Editorial Design und Infografik aus den verschiedensten Perspektiven präsentierten.

Qved9Alte Kongresshalle München

 

Beeindruckt war ich von der unglaublichen Menge qualitativ hochwertiger Magazine, in denen nicht nur professioneller Content und Gestaltung stecken, sondern auch literweise Herzblut. Finanziell, auch das muss gesagt werden, sind diese Produkte in der Regel kein Erfolg – Magazinmacher als Idealisten.

Steil nach oben geht die Erfolgskurve der QVED, sie hat sich nicht nur zu einem festen Bestandteil der Munich Creative Business Week entwickelt, sondern auch zu einer inspirierenden Designkonferenz, die man nicht verpassen sollte.

 

 

 




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