Krisenmanagement für Projekte, die zu scheitern drohen

Ab sofort im Handel: PAGE 05.2016



Editorial: Krise? Welche Krise?

»Zeit gibt es, damit nicht alles auf einmal passiert . . . und Raum, damit nicht alles dir passiert«, hat die amerikanische Essayistin Susan Sontag einmal formuliert. Und wir würden uns dem sofort ohne Weiteres anschließen, gäbe es da nicht diese berühmt-berüchtigten Projektphasen, in denen alles gleichzeitig zusammenzubrechen droht und – na, Sie ahnen sicher schon – es ausnahmslos einen selbst trifft. Das sind die Momente, die eine Kreativkarriere für immer in ein Vorher und Nachher teilen können. Die Momente, in denen man am liebsten im Erdboden versinken würde.

Andererseits: Sollten nicht gerade wir vor derlei Katastrophen gefeit sein? Sind nicht wir die Problemlöser vor dem Herrn? Fürwahr, in unserer Branche räumt man keine Schlappen ein. Im Gegenteil, unsere Kreativität läuft in Krisenzeiten zur Höchstform auf: Unbefriedigende Ergebnisse werden einfach schöngeredet. Und sollte doch einmal ein unlösbares Problem zutage treten – sei’s weil wir uns vergaloppiert haben, das Team nicht funktioniert oder zu viele Anforderungen den Blick verstellen –, dann suchen wir die Schuld eben anderswo.

Klingt nach einer guten Strategie? Ist es aber nicht. Eine missliche Situation unter den Teppich zu kehren, war noch nie die Lösung. Irgendwann kommt sie sowieso, die gefürchtete Frage, warum der Projektfortschritt ausbleibt, die Qualität leidet oder das Budget überzogen wird. Spätestens dann geraten wir in Erklärungsnot und das Kartenhaus fällt in sich zusammen – ob wir wollen oder nicht. Dabei sind Probleme etwas ganz Normales. Wir müssen nur lernen, ihnen ins Auge zu schauen und offen über sie zu reden. Aus gutem Grund basiert modernes Projektmanagement auf regelmäßigen Status-Meetings, in denen explizit abgefragt wird, was einen bei der Arbeit behindert.

Zeit gibt es, damit wir Komplikationen ansprechen und Alternativen entwickeln können . . . und Raum, damit wir uns für den Weg aus der kritischen Situation entscheiden können. Ja, eine Krise meistert man immer noch am besten, indem man ihr zuvorkommt. – Präventionsmaßnahmen und Notfallpläne für kreative Projekte, die zu scheitern drohen, erhalten Sie in PAGE 05.2016.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher




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