Werbeagenturen zahlen schlecht – ab ins Unternehmen?

Die aktuellen Zahlen von gehalt.de zu Gehältern in der Werbebranche sind erschreckend. In der Industrie werden vergleichbare Jobs häufig viel besser entlohnt. Profis von Designerdock nehmen dazu Stellung. UPDATE: Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen wehrt sich gegen das »allgemein bekannte Vorurteil«.



Ulrike Schwarzenberg, Designerdock-Geschäftsführerin in Frankfurt
Ulrike Schwarzenberg, Designerdock-Geschäftsführerin in Frankfurt

Gerade mal 33.582 Euro Jahresgehalt kann ein Designer laut gehalt.de in einer Werbeagentur erwarten. Damit bildet er das absolute Schlusslicht in dem aktuellen Gehaltsreport. Und auch die anderen Berufe – vom Texter über Projektmanager und Creative Director bis hin zum Geschäftsführer – sehen im Vergleich zu anderen Branchen relativ wenig Geld für ihre Mühen. Das verdeutlichen Vergleichszahlen, die gehalt.de für die Personalberatung Designerdock zusammengestellt hat.

Dass in der Werbebranche bestenfalls mittelmäßig verdient wird, können die Designerdock-Berater auch aus ihrer alltäglichen Erfahrung (leider) bestätigen.

In Zahlen sieht das so aus:

  • Während ein Designer in einer Werbeagentur durchschnittlich 33.582 Euro Jahresgehalt bekommt, könnte er in der Autoindustrie um die 49.885 Euro verdienen.
  • Ein Kundenberater verdient in der Werbebranche rund 39.428 Euro im Jahr, als Marketing Manager in der Lebensmittelbranche läge sein Durchschnittsgehalt bei 54.827 Euro.
  • PR-Manager könnten in der Energiebranche 60.593 Euro verdienen statt 40.911 Euro.
  • Und ein Geschäftsführer in einem Chemie-Unternehmen verdient im Durchschnitt 179.316 Euro – in einer Werbeagentur »nur« 109.128 Euro.

Natürlich sprechen für die Arbeit in einer Agentur noch ganz andere Aspekte als das Gehalt – seien es abwechslungsreiche Tätigkeitsfelder, flache Hierarchien oder coole Kollegen. Dass sich die Gehaltsschere so weit öffnet, ist aber dennoch bedenklich und kann für die Werbebranche zu einem großen Problem werden.

»Für uns wird aus dem direkten Vergleich der Gehälter unter anderem deutlich, warum der aktuelle Fachkräfte- und Nachwuchsmangel in der Werbebranche derart stark spürbar ist«, sagt Kristin Louis, Geschäftsführerin Designerdock Berlin. »Wobei das Gehalt bei der Attraktivität des Arbeitgebern nicht immer die ausschlaggebende Rolle spielt.

Wenn jedoch schlechte Arbeitsbedingungen, unbezahlte Mehrarbeit, fehlende Aufstiegschancen und mangelnde Strukturen hinzukommen, dann ist das als Gesamtpaket nicht wirklich attraktiv.«

Dass es in Agenturen gehaltstechnisch nicht so rosig aussieht, spricht sich bereits beim Nachwuchs rum: »Schon in Gesprächen mit Studenten hören wir immer öfter die Frage, welche Optionen es für Kreative und Projektmanager auf Industrieseite oder in Startups gibt. Neben der kritischen Einschätzung der Arbeitsbedingungen spielt das Thema Gehalt dabei eine immer größere Rolle«, berichtet Robert Mende, Designerdock-Geschäftsführer in Hamburg.

Das Problem: Die Agenturen können dagegen wenig tun.

»Sie können nicht handeln, weil ihnen schlicht und ergreifend die Mittel fehlen, um mit der Industrie gleichzuziehen«

so Ulrike Schwarzenberg, Geschäftsführerin bei Designerdock Frankfurt. »In Zeiten starken Drucks auf die Agenturhonorare und den damit verbundenen sinkenden Gewinnmargen steht die ein oder andere Werbeagentur nämlich bereits mit dem Rücken zur Wand.«

Das sind recht trübe Aussichten für Kreativagenturen. Nun liegt es an ihnen, eine Antwort auf diese Herausforderung zu finden.

Ulrike Schwarzenberg hat ein paar Anregungen: »Die Unwucht im strukturellen Gehaltsgefüge zwischen der Agenturlandschaft und werbetreibenden Unternehmen lässt sich nur beheben, indem die Agenturgehälter auf ein adäquates Level angepasst werden oder die Agenturen mit nicht-pekuniären Benefits, wie

flexiblen Arbeitszeiten, guter Work/Life-Balance, Erlebniswerten am Arbeitsplatz, Teamspirit, Sabbaticals, Personalentwicklungsmaßnahmen et cetera

Punkte sammeln können. Dies ginge allerdings klar zu Lasten der Agentur-Profitabilität.«

Im Grunde geht es laut Schwarzenberg um das freie Spiel der Marktkräfte. Nur mit einem grundlegenden Umdenken ließe sich eine Erosion des Arbeitskräftereservoirs an Kommunikationsfachleuten durch Abwanderung in attraktivere Branchen verhindern.


UPDATE

Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA widerspricht dem »allgemein bekannten Vorurteil«, Agenturen würden ihre Mitarbeiter unterdurchschnittlich vergüten. Die Durchschnittsgehälter in den Bereichen Kreation und Beratung lägen deutlich über 50.000 Euro im Jahr.

Der GWA erhebt seit 2012 Daten zu Gehältern in seinen Mitgliedsagenturen. Demnach verdienten Strategen jährlich 67.015 Euro, Konzeptioner 56.224 Euro, Berater 53.733 Euro und Art Direktoren 50.429 Euro. Während Junioren mit rund 32.182 Euro starten, verdienen Werber in leitenden Positionen laut GWA fast 90.000 Euro. Seit 2012 seien die Gehälter durchschnittlich um 8 Prozent angestiegen.

Damit zeigten die rund 100 GWA-Mitgliedsagenturen, zu denen fast alle großen und mittelständischen Agenturen zählen, dass sie versuchen ihrem Anspruch, ein fairer Arbeitgeber zu sein, gerecht zu werden, so Christian Rätsch, CEO von Saatchi & Saatchi und GWA-Vorstand im Bereich Nachwuchs.

Die Ergebnisse anderer Gehaltsstudien basieren laut GWA oft entweder auf einer nicht repräsentativen Anzahl von Befragten oder auf undifferenzierten Betrachtungen.

»Unsere Daten zeigen ein viel detaillierteres Bild der Wirklichkeit, als alle bisherigen Studien zu Gehältern in Werbeagenturen, die sich häufig nur auf einige wenige und unscharf definierte Jobtitel beziehen«

sagt Christian Rätsch. »Wir wissen genau, was unsere Agenturen in einzelnen Arbeitsbereichen, auf den jeweiligen Karriereleveln zahlen.«Dem GWA-Gehaltsvergleich liegen jährlich ca. 4.500 Positionen in den Mitgliedsagenturen zugrunde.

 

Hier die Tabelle zum Gehaltsvergleich – Agenturen vs. Unternehmen:

Mit einem Klick auf die Grafik gelangen Sie zu einer größeren Ansicht.

Gehaltstabelle_Agenturen_Unternehmen_Gehalt_de_Designerdock
Quelle: Gehalt.de

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8 Kommentare


  1. Juli

    Das Update der GWA kann ich aus eigener Erfahrung nicht so recht glauben, v.a. wenn die Gehälter als Durchschnitt dargestellt werden. In meiner Agentur – eine der ganz großen hier in D – ist es auf jeden Fall sicherlich nicht der Fall.

    Wünschenswert wäre jedoch eine größere Transparenz. Oft wird einem ja (sogar vertraglich) verboten mit Kollegen oder anderen über sein Gehalt zu reden, nur damit man selbst keinen Vergleich hat. Buuh!!


  2. Mathilde

    Ich bin Grafikdesignerin und hatte nach 5 Jahren und 3 Agenturen ersteinmal genug vom Agenturleben und bin mit einer Teilzeitstelle in den öffentlichen Dienst eingestiegen. Nebenberuflich arbeite ich seitdem zusätzlich als freie Grafikerin. Und zur Zeit bin ich sehr zufrieden: Tarifbezahlung (yay) / 30 Tage Urlaub / Überstunden werden gebucht (wenn sie überhaupt anfallen) / Material welches ich benötige bekomme ich ohne Murren bereitgestellt / Fortbildungen werden ausreichend angeboten und und und. Klar gibt es auch einige Abstriche, wie z. B. den fehlenden kreativen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen oder den helfenden Hinweis bei technischen Fragen. Dass ich quasi zur Zeit nur auf einem Kunden arbeite, dem kann ich Vor- und Nachteile abgewinnen. Allerdings bleibt die Sorge: falls ich doch eines Tages wieder in eine Agentur zurück will, bin ich dann noch wettbewerbsfähig?


  3. Robert Mende

    stimmt, das Gehaltsgefüge ist schon immer so – und deswegen eigentlich nicht besonders aufregend. Spannend wird es aber im Moment dadurch, dass andere Aspekte hinzukommen und für die Agenturen ein echtes Personalproblem entsteht.

    Stichworte dazu sind zum Beispiel die demographische Entwicklung, das wachsende Bedürfnis nach einer guten Balance zwischen Arbeit und Freizeit oder die immer stärkere Angleichung der Unternehmenskulturen in der Industrie oder in StartUps.

    Das führ dazu, dass die Agenturen mittlerweile in einer ganz anderen (schlechteren) Position auf dem Arbeitsmarkt sind und bei Weitem nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können, weil sowieso immer eine Schlange von motivierten, jungen, kreativen Leuten vor der Tür steht.

    Und an der Stelle kommt dann auch wieder der Faktor Geld in’s Spiel.

    Robert Mende


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