Warsteiner: Meinungen zum Redesign

Bye bye »Warfteiner«



, tschüss »Königin«: Die Brauerei modifiziert ihren Fraktur-Schriftzug und setzt in der Unterzeile auf Tradition.

Neues Jahr, neues Gesicht: Zum 1. Januar 2014 führt Warsteiner sein neues Logo ein, inhouse entwickelt mit Unterstützung von Designer John Wiebelitz. Hauptziel des Redesigns war die bessere Lesbarkeit des Markennamens im Logo. Während bei dem alten Logo oft »Warfteiner« gelesen wurde, ist bei dem neuen Logo nun das »t« betont statt des »s«.

Zudem wirkt das Signet klarer, da auf den Slogan »Die Königin unter den Bieren« verzichtet wurde. Stattdessen steht in der Unterzeile jetzt »Familientradition seit 1753« – was zwar grammatikalisch klarer ist als die Königin, aber auch weit weniger originell. Die Schrift in der Unterzeile ließ die Brauerei eigens entwickeln. Sie orientiert sich an der bisherigen Hausschrift. Neu sind auch die Pflanzenemelente im Logo, die zwar zu Marke und Produkt passen – aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit im modernen Corporate Design aber leider beliebig wirken.

Die Meinungen im Netz sind – wie bei den meisten Relaunchs großer Marken – gespalten. Lesen Sie nun die Experten-Meinungen von Olaf Schroeter, Head of Creation bei MetaDesign, Olaf Stein, Geschäftsführer bei Factor Design, und Norbert Möller, Executive Creative Director bei Peter Schmidt Group.

Olaf Schroeter, MetaDesign: Die Marke gewinnt an Bedeutung

 

»Mir gefällt die neue Positionierung von Warsteiner: weg vom vordergründigen Premiumanspruch, hin zur geerdeten Familientradition. Das ist für eine der ältesten inhabergeführten Brauereien markenstrategisch nachvollziehbar und glaubhaft vertretbar. Das Signet wirkt aufgeräumter und gibt der Wortmarke mehr Prägnanz. Die Marke gewinnt dadurch an Bedeutung.

Grundsätzlich ist auch die Überarbeitung des Schriftzugs sinnvoll – atmet der Bisherige doch eher den Charme alter Männerkneipen. Allerdings ist hier nicht wirklich die Chance genutzt worden, eine zeitgemäße, eigenständige Lösung zu entwickeln. Die einzelnen Buchstaben wirken unausgeglichen und seltsam zurechtgestutzt. Ähnlich geht es mir mit den dekorativen Spielereien im Claim, der querliegenden Ähre und der fetten Jahreszahl. Das alles lenkt von der Kernaussage ab und wirkt auf mich so, als hätte man der Kraft seiner eigenen Botschaft nicht vertraut. Dabei ist die Aussage des Claims selbstbewusst genug, um so manche künftige Kneipentour zu überstehen.«

Olaf Stein, Factor Design: Eine Königin dankt endgültig ab

 

»»Eine Königin unter den Bieren« dankt als Warsteiner-Claim ab. Fortan steht nur noch die 260-jährige Familientradition im Mittelpunkt. Und da der Claim fester Bestandteil der Warsteiner-Bildmarke war, musste zwingend ein Re-Design her. Das sicherlich nicht eindeutige und schwer lesbare, aber dafür sehr eigenständige »s« des Fraktur-Schriftzuges wurde in diesem Zuge gleich mit entsorgt. Die Marktforschung hatte ergeben, dass manche Biertrinker »Warfteiner« lesen statt Warsteiner. Haben die Marktforscher auch gefragt, nach dem wievielten Bier?

Dabei überzeugte der alte Fraktur-Warsteiner-Schriftzug durch den schwarzen Schatten, der alle Punzen füllte. Die Überarbeitung präsentiert sich nun mit gut lesbarem »s« und einem unentschlossenen Schatten, der auf mich zerbrechlich wirkt. Die 1753 hält nun Einzug in die Kreisfläche, gesetzt aus der Scala Sans, die Martin Majoor 1993 entwarf, und deren Mediäval-Ziffern an der Basis der Kreisform folgen. Als Füllmaterial wurden am unteren Kreisrand noch ein paar »Blättchen« hinzugefügt.

Der andere WARSTEINER-Schriftzug wurde ebenfalls überarbeitet. Unklar ist mir die Grundlage dieses Schriftzuges – er wirkt, als wären der Schrift die Serifen gestutzt worden. Und sehr galant wurde das Problem von Buchstabenkombinationen gelöst, die große optische Lücken verursachen. Da wurden die Buchstaben einfach zusammengeschoben und Buchstabenteile durch eine Totaloperation entfernt. Das S kippt jetzt nach links, was doch zeigt, das jedes Teil eines Buchstabens schon einen Sinn hat. Den Abschluss bildet nun die generische Unterzeile »Familientradition seit 1753« – hart getrennt durch stilisierte Gerste mit fünf »Grannen«, die präzise gerade abgeschnitten wurden und dadurch wie der Schweif eines Rakenantriebes wirken.

Die Königin hat ihre Souveränität verloren. Vielleicht der letzte Schritt einer einstmals blaublütigen Bier-Marke auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Wer wird im Bierregal der würdige Thronfolger?«

Norbert Möller, Peter Schmidt Group: Eine unausgegorene typografische Katastrophe

»Das neue Warsteiner Logo – eine unausgegorene typografische Katastrophe. Die Traditionsmarke Warsteiner wird ab 2014 mit einem neuen Logo auftreten. Eine solche Nachricht ist bei Biermarken selten, denn meistens sind die Veränderungen in diesem Segment so behutsam, dass man kaum von einem Relaunch sprechen kann, sondern allenfalls von einer leichten Veränderung.

Anders jedoch hier – man hat einen Rundumschlag gemacht, leider. Das Signet ist zwar entfrachtet, weil der unverständliche Claim »Eine Königin unter den Bieren« entfallen ist, dafür sind andere Inhalte dazu gekommen, die aber ebenso überflüssig sind wie der bisherige Claim: Hopfen, weil er zu einem deutschen Bier nun einmal gehört und ein doppeltes Gründungsjahr, weil es unter dem Schriftzug noch einmal erscheint.

Insgesamt ist das Signet durch den Verzicht auf optische Effekte zwar klarer geworden, sieht aber nicht mehr »lecker« aus. Die Emotionalität ist verloren gegangen. Auch ist der Schriftzug im Signet zwar größer und lesbarer geworden, aber durch den verminderten Schatten hat er Prägnanz und Tiefe verloren. Wenn es das Argument war, dass man das »s« der gebrochenen Schrift im Ausland nicht lesen konnte, dann wird es mit dem untypischen »t« nicht einfacher: Warsfeiner.

Der freistehende Warsteiner Schriftzug unter dem Signet ist ein Rückschritt, die Marke verliert an Charakter. Die Schrift ist unausgewogen – die Buchstaben sind teilweise verstümmelt, und die Lesbarkeit ist schlechter als früher. So sind zum Beispiel die Buchstaben W, A, R, S brutal zusammengeschoben. Das Ergebnis ist eine unausgegorene typografische Katastrophe. Und zum Schluss die Unterzeile: Warum wird hier das Gründungsjahr noch einmal kommuniziert? Mit einer Gerstenähre als Lückenfüller, damit die Unterzeile über die gesamte Breite des Schriftzugs geht?

Das Fazit: Keine Idee und es sieht nicht gut aus. Ich kauf mir schnell eine Kiste mit dem alten Etikett, solange es die noch gibt.«

Das alte Logo zum Vergleich:


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