Virtueller Hackathon: Erfahrungsbericht von Leo Burnett

20.000 Team-Bewerbungen aus 1.500 Städten, 48 Stunden, fünf Aufgaben: Was das vierköpfige Team von Leo Burnett beim ersten virtuellen Hackathon erlebt hat, schildert Viktor Kislovskij, Creative Technologist bei Leo Burnett.



 

Montag, 24. November

 

Wir haben uns dazu entschlossen, uns für den ersten rein virtuellen Hackathon zu bewerben: Wir, das sind Philipp Trübiger, Art Creation Digital, Helge Kniess, Senior Art Director, Laura Weber, Strategie, und ich als Creative Technologist. Unser Team besteht somit aus zwei Kreativen, einem kreativen Programmierer und einer Strategin. Das sehen wir als Vorteil, denn oft sind nur Programmierer als Team gemeldet. Unsere Motivation: natürlich Ruhm und Ehre! Im Ernst: Wir möchten etwas Neues ausprobieren und unsere Zusammenarbeit stärken.

Die Idee des Hackathons ist nicht neu. Das Konzept entstand 1999 in den USA bei Sun Microsystems. Klassischerweise treffen sich vorher festgelegte Teams für eine bestimmte Zeit in einem Raum und lösen gemeinsam gestellte Aufgaben. Auch in Deutschland finden immer wieder Hackathons statt. In unserem Fall ist der Hackathon rein virtuell – das ist neu. Allen Teams werden sogenannte ‚problem settings‘ vorgestellt, an denen man dann gemeinsam arbeitet. Eine hochkarätige Jury entscheidet anschließend über die beste Lösung. Den Gewinnern winkt Geld. Und das gute Gewissen, etwas anderes als ‚nur’ Kommunikationsprobleme gelöst zu haben, wie es im Agenturalltag üblich ist.

Donnerstag, 04. Dezember

 

Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen. Laut Ausschreibungsunterlagen sind 2.000 Teams zugelassen. Und wir sind eines davon – yeah!

Freitag, 05. Dezember

 

Die Veranstalter haben fünf Themen vorgegeben. Wir haben uns für Problem Nummer 3 entschieden: Jeder hat schon einmal davon gehört, dass man beim Vertrag das Kleingedruckte lesen soll und hat dann doch im Internet schnell die AGBs einfach „weggeklickt“ – ein reales Problem also. Unsere Aufgabe war es, auf innovative und ungesehene Art und Weise auf das Kleingedruckte aufmerksam und es verständlicher zu machen. Die Bewertung erfolgt in drei Runden. Bewertet werden beispielsweise die verwendeten APIs, die Komplexität oder der Umfang der Lösung. Die Teilnehmer behalten das volle Eigentum und die Rechte an ihren Ideen.

 

Samstag, 06. Dezember, 14 Uhr

 

Team Leo Burnett startet. Mit etwas Verspätung: eigentlich sollte es schon um 9 Uhr unserer Zeit losgehen. Wir stellen einen groben Zeitplan für das Wochenende auf und beginnen mit einer Recherche zu den kritischsten Aspekten von Nutzungsbedingungen.

Sonntag, 07. Dezember, 2 Uhr

 

Während unserer Arbeit an der Lösung merken wir, wie groß das Ausmaß des Problems tatsächlich ist. Man unterschreibt massenhaft Kleingedrucktes ohne zu wissen, dass man damit seine Rechte abgibt. Eigentlich unfassbar. Aber genug für heute. Morgen ist auch noch ein Tag. Auf Twitter können wir einige andere Teams verfolgen, die über ihre Erfahrungen schreiben. So wissen wir jetzt auch, dass neben dem Team von Leo Burnett nur fünf weitere Teams aus Deutschland im Rennen sind.

Sonntag, 07. Dezember

 

Wir müssen Gas geben. Wir programmieren das Browser-Plugin und befüllen die Datenbank. Erst jetzt wissen wir wirklich, ob unsere Idee technisch einwandfrei funktioniert und wir bedenkenlos die Websites von Facebook & Co. ‚manipulieren’ können.

Montag, 08. Dezember, 9 Uhr

 

Geschafft. Oder vielmehr: abgegeben. Zwei Stunden mehr hätten unserer Arbeit gut getan. So ist aus dem geplanten Film nur ein GIF geworden. Und das hier ist unser Ergebnis: LEEGL. Unsere Lösung ist ein Browser-Plugin, welches den Registrierungsprozess auf Seiten unterbricht und übersichtlich über die Nutzungsbedingungen aufklärt. Der Github-Link enthält den Quellcode des Projekts. Somit ist es Open Source, also für jeden einsehbar und nutzbar. Noch ist unsere Arbeit „work of concept“ und juristisch bestimmt noch nicht einwandfrei. Aber wenn die Community interessiert ist, würden wir das Produkt natürlich bis zur Marktreife begleiten.

Montag, 15. Dezember

 

Unsere Lösung zählt zu den Top 100! Die finalen Resultate stehen allerdings erst in ein paar Tagen fest. Wir sind natürlich gespannt. Aber für uns ging es letztlich gar nicht um den Gewinn. Sondern um die Tatsache, dass wir ein reales Problem gelöst haben. Somit hat sich für uns beim Hackathon gezeigt, dass der Weg – wie so oft – das Ziel ist.

Auch unser Unterstützer und Ex-Programmierer Alexander Wipf, Head of Strategy & Innovation bei Leo Burnett sieht das so: »Abgesehen davon, dass es Spaß macht, wirkliche Geschäfts- und Alltagsprobleme zu lösen, loten wir mit einer solchen Hackathon-Teilnahme auch unsere Potenziale und Fähigkeiten in der Entwicklung von Innovationen aus, statt „nur“ von Kommunikation. Das steigert die fachliche und interdisziplinäre Kompetenz unserer Mitarbeiter. Zudem übt sich das Team darin, als Agentur selbst Produkte zu erstellen.« Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Und beim nächsten Hackathon sind wir gerne wieder dabei.

Autor Viktor Kislovskij ist Creative Technologist bei Leo Burnett





2 Kommentare


  1. Wolfgang Weicht

    leegl.org = 502 Bad Gateway.

    Irgendwie können Digitalagenturen wie Leo Burnett GmbH das Internet noch immer nicht bedienen.


  2. Alexandra

    Tolle Sache! Bitte unbedingt weitermachen!


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