Versicherungen für Kreative: Die Rentenversicherung

Im zweiten Teil unserer Serie zu Versicherungen gibt Christian Büning Ratschläge zur Rentenversicherung …



Christian_Buening

Als Norbert Blüm 1986 sagte, die Ren­te sei sicher, konnte er nicht ahnen, dass er ein geflügeltes Wort schuf. Für die Generation, die jetzt in den Ruhestand geht, wird dies auch zutreffen, sie wer­den im Schnitt ein recht gutes Auskommen haben. Das gilt aber nicht mehr für die jetzt 25- bis 45-Jährigen, denn der Staat zieht sich zunehmend aus der Vorsorge zurück. Seit 2002 wird daher die private Altersvorsorge staatlich gefördert, um die entstehenden Versorgungslücken aufzufangen. Eine halbe Generation später zeigt sich, dass die­ser Schritt eigentlich nur den Maklern genützt hat.

Was bedeutet das für Kreative?

Ist ein Designer über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert, dann zahlt er als Freiberufler in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Je nach Höhe seines Einkommens erzielt er dabei sogenannte Rentenpunkte. Würde er aber allein auf diese Form der Absicherung setzen, wäre selbst bei einem recht guten Verdienst klar, dass er im Alter keine großen Sprünge machen könnte. Spreche ich Designer auf ihre Altersvorsorge an, bekomme ich oft ein verlegenes Murmeln und einen fahrigen Blick in Richtung Horizont als Ant­wort. Auch wenn dies bestimmt kein leichtes The­ma ist, gilt der Grundsatz: Wer gar nichts macht, wird fast gar nichts haben. Spätestens mit 35 Jahren sollte jeder Kreative mit einer privaten Vorsor­ge starten, um den Faktor Zeit für sich zu nutzen.

Auf den Faktor Zeit setzen

Egal, ob Angestellter oder Freiberufler: Ein Blick auf die Renteninformation, die jährlich in der Post liegt, zeigt, was im Alter möglich ist. Wer die Lücke zwischen Anspruch und Rente schließen will, steht vor vielen Möglichkeiten.

Mit einer klassischen Lebensversicherung als Sparmodell kann man heute jedoch kaum Zinsen erzielen. Im Gegenteil versuchen die Versicherer mit allen Mitteln, die alten Verträge los­zu­wer­den, weil sie die hohen Zinszusagen nicht be­die­nen wol­len. Riesterverträge sind ebenfalls stark in die Kritik geraten, hier vor allem die Fonds­spar­plä­ne, bei denen der Versicherte nur mit Gewinn rauskommt, wenn er älter als 98 Jahre alt wird. Davor verdienen die Versicherer und die Banken.

Wer gar nichts macht, wird fast gar nichts haben. Spätestens mit 35 Jahren sollte jeder Kreative mit einer privaten Vorsorge starten, um den Faktor Zeit für sich zu nutzen.

Private Rentenversicherungen können eine Al­ternative sein, allerdings lohnt es sich, die Tarife auch hinter dem Komma zu vergleichen. Kombi­niert mit der Größe Zeit, ist auch ein kleiner Faktor schnell ein enormer Gewinn. Versicherer mit variablen Auszahlungsmodellen sind hier klar zu bevorzugen. Als Designer hat man übrigens Zugang zu den Angeboten des Presse-Versorgungs­werks, die sich gezielt an kreative Freiberufler richten. Die Verzinsung kann sich durchaus sehen lassen und bietet gerade in Zeiten von Strafzinsen eine Perspektive.

Alternative Modelle

Wer die Absicherung fürs Alter weiter fasst, kann auch über Immobilien oder Unternehmensbetei­ligungen nachdenken. Eine selbst genutzte Immobilie ist allerdings selten ein Sparmodell im Vergleich zu einer Mietwohnung. Ein Eigenheim verursacht immer Kosten, auch wenn der Kredit schon längst getilgt ist. Jedoch bietet es einen Grund­stock an Kapital, der sich im Alter bei Bedarf aktivieren lässt.

Alternativ können Kreative in Beteiligungen investieren und sich dadurch ein Standbein aufbauen. Dabei kann man sich in Unternehmen durch Kapital oder durch Kreativleistungen einbringen und Anteile erwerben. Wächst die Firma, wächst somit auch die Rendite. Diese Form der Absicherung ist allerdings stark spekulativ und sollte deswegen niemals die einzige Form der Vorsorge sein. Der kluge Bauer legt niemals alle Eier in einen Korb.

Positiver Nebeneffekt

Norbert Blüm sollte mit seinem Bonmot übrigens recht behalten, zumindest fast. Die Renten sind sicher. Genauer: Die Renten sind sicher nicht hoch! Die jetzt berufstätige Generation muss die sich zur Ruhe setzenden Babyboomer tragen, für sich selber vorsorgen und kann von den folgen­den geburtenschwachen Jahrgängen keine gro­ßen Versorgungszuwächse erwarten. Eine private Absicherung der Rente ist jedem Designer dringend zu empfehlen. Auch kleine Bei­träge können mit dem Faktor Zeit ihre Wirkung entfalten. Die Beschäftigung mit der eigenen Zukunft hat zudem einen sehr praktischen Effekt für die Gegenwart: Man kann seinen Tagessatz realistischer berechnen und glaubhafter argumentieren.

 

Mehr Versicherungsthemen für Kreative:
Sicherheit als Pflicht – die Berufsgenossenschaften (AGD)

 

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Der Autor

Christian Büning ist Inhaber von Büro Büning für Informationsgestaltung und des Werkstoff Verlags in Münster. Im Berufs­verband BDG setzt er sich für Professionalisierung, Fairness und Designer ein.

 

 




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