»über Liebe« und was das mit Design zu tun hat

Erlers Thema: Alle vier Wochen finden in Hamburg die Creative Mornings statt. Das Julimotto war »Love« und zu Gast der Viva-con-Agua-Mitbegründer und »Konzeptionsaktivist« Michael Fritz.



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Foto: Stefan Grönefeld für Viva con Agua

»Wut« ist das Wort des Jahres. »Amerikas ansteckende Wut«, titelt »Die ZEIT«. »Wähler zwischen Frust und Wut – Der Nährboden der AfD«, schreibt SPON. »Im Rausch der Wut – wer war der Amokläufer David S.?«, fragt die »Berliner Morgenpost«. Wut hat unfassbar viel Energie. Wut reißt Grenzen nieder und macht das Unmög­liche möglich. Wut ist die grausame, destruktive Waffe der Stunde. Und geht man in die sozialen Netzwerke, sind es längst nicht mehr nur die anderen, die wütend sind. Wut ist überall.

Michael Fritz ist Konzeptionsaktivist und Grün­dungsmitglied von Viva con Agua, einem höchst erfolgreichen Netzwerk von Menschen und Organisationen, die sich für den weltweiten menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzen. Das Wort »Liebe« verwendet Fritz in seinem Vortrag genau ein Mal. Doch wer wissen will, wie man Wut, Angst und anderen Ne­gativismen begegnet, schaue sich bitte diesen Vor­trag an, der bis zur letzten Sekunde vollgepackt ist mit Tatendrang, Vertrauen, Zuversicht, Intelligenz, fantastischen Ideen – und mit Liebe.

»Bei Viva con Agua geht es sehr viel darum, einfach mal eine andere Perspektive einzunehmen«

sagt Michael Fritz.

»Ich glaube, das nennt sich Em­pathie oder so.«

Dem ist nichts hinzuzufügen. Und statt also der Wut nachzugrübeln, berausche ich mich lieber an der treibenden Kraft der Liebe. Mit einer sehr unvollständigen Liste der Dinge, an denen in diesem Moment mein Herz hängt.

Ich liebe den Blick aus dem Fenster meines Büros in die sommerlichen Gärten Harvestehudes. Ich lie­be das Eichhörnchen in den Wipfeln der Fichte direkt vor diesem Fenster, das so nah ist, dass ich es fast berühren könnte.

Ich liebe meinen Job und ich liebe alle, die mir sinnvolle Arbeit geben, auch wenn ich es ihnen noch nie direkt gesagt habe. Ich liebe diesen Geis­teszustand, wenn die Ideen kommen. Ich lie­be es, wenn ein guter Satz gelingt, und ich liebe den Mo­ment, in dem ich nach der Lektüre eines Buches oder Artikels begreife, dass ich etwas gelernt habe.

Ich liebe das große R der Akzidenz Grotesk Bold und das kleine p der Gill Sans Italic.

Seit Jahren liebe ich jeden gut gesetzten Text aus der Dolly Regular in 9,5 Punkt und neuerdings liebe ich auch die Real Bold, vor allem in 12 Punkt.

Ich liebe die Farbkombination Pantone 359 C und Pantone 1485 C, und ich liebe es, das Papier Circlematt White, 70 Gramm, zwischen den Fingern zu reiben.

Ich liebe (Playlist, random moment) »E.V.P.« von Blood Orange, »Lucretia MacEvil« von Blood, Sweat & Tears, »Ventilator« von den Orsons, »Sex&­Drugs&Rock&Roll« von Ian Dury, und ich liebe noch eine Million anderer Lieder, weil Musik das Größte ist.

Ich liebe das Pianosolo von Samuel Yirga in Cluesos »Aand Nen«, einem weiteren Projekt von Viva con Agua, und Prince’ Gitarre im Hall-of-Fame-Video von George Harrisons »While My Gui­tar Gently Weeps«. Scheiße, wie sehr habe ich Prince und Bowie geliebt! Und wie sehr habe ich geheult, als ich eines Morgens, als Bowie gegangen war, vor meinem Büro stand mit »Where Are We Now« auf den Ohren und begriff, was er sang.

Ich liebe SÜPERGRÜP und 1000ZEICHEN (watch out with patience!). Und im Speziellen liebe ich jetzt gerade Mario Lombardo, weil der auch immer alles liebt.

Ich liebe eiskaltes Staropramen und heiße ma­rok­ka­nische Minze. Ich liebe den HSV, meine Fahrräder, Tüschow, eine Zigarette im richtigen Moment und Schokoeis mit Sahne und Haselnusskrokant.

Ich liebe meine Frau, meine Söhne, meine Familie und unseren Hund. Ich liebe meine Freun­de. Ja, und ich liebe mein Leben. Es ist ein zufälli­ges Privileg, in dieser Zeit an diesem Ort zu leben und frei zu sein, das ist mir sehr bewusst.

»Engagiert euch. Es ist eure Welt!«

sagt Michael Fritz am Ende seines Vortrags.

PS: »There’s nothing you can do that can’t be done!« (The Beatles, »All you need is love«)

 

Deine Spende für Viva con Agua:
IBAN DE58 2005 0550 1268 1351 81,
BIC HASPDEHHXXX

 

Hier sehen Sie das Video:

 


Erler
Foto: Enver Hirsch

Johannes Erler ist Partner des Designbüros ErlerSkibbeTönsmann, das die Creative Mornings im Hamburger designxport veranstaltet, und Mitbegründer des Designkollektivs Süpergrüp. Zu den anderen Beiträgen aus »Erlers Thema« geht es hier.




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