So kann ich Auftraggeber zurückgewinnen

Was tun, wenn der neue Marketingchef meines Kunden lieber mit einem Designstudenten arbeitet – und trotzdem meine Entwürfe nutzt …



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Jean-Yves, 36: Ich arbeite seit vielen Jahren für einen größeren Auftraggeber, und dieser war bisher zufrieden mit meinen Entwürfen. Seit ein paar Monaten kommen immer weniger Anfragen von ihm, und ich habe jetzt herausgefunden, dass er meine Ent­würfe nutzt, aber jetzt mit einem Designstudenten zusammenarbeitet, der wohl weniger Geld verlangt. Ich bin auf den neuen Marketingchef sauer und weiß nicht, wie ich vorgehen soll. 

Christian Büning:
Lieber Jean-Yves, was Sie gerade erleben, passiert leider sehr häufig, wenn Schlüsselpositio­nen bei einem Auftraggeber neu besetzt werden. Niemand ist dazu verpflichtet, mit Ihnen zu arbeiten, und meistens bringt neues Personal auch eigene Kontakte mit. In Ihrem Fall ist wahrscheinlich der Kostenfaktor ausschlaggebend und nicht die Designqualität. Deswegen sehe ich eine Chance, Boden gutzumachen.

Jeder Einkäufer weiß, dass bei einer längerfristigen Kooperation nicht nur die reinen Zahlen entscheidend sind, sondern auch das immanente Wissen. Dieses umfasst Kenntnisse über inter­ne Abläufe, Gepflogenheiten und even­t­uelle Stolperfallen und ist bei lang­jährigen Beziehungen zwischen Auftraggeber und Designer ein großer zusätzlicher Nutzen. Ein Student kann aufgrund seiner Lebensumstände zwar zu einem anderen Honorar arbeiten als Sie, ist aber meist weniger schnell, weniger erfahren und vielleicht auch weniger zuverlässig, wenn Prüfungen an der Hochschule anstehen.

Mein Tipp: Suchen Sie aktiv das Gespräch mit dem neuen Marketingchef. Stellen Sie sich vor und berichten Sie, was Sie bisher für das Unternehmen geleistet haben. Sprechen Sie dabei auch ganz gezielt an, dass Sie offen für Neuerungen sind. Damit besitzen Sie eine realistische Chance, die bislang gute Zusammenarbeit fortzuführen. Darüber hinaus sollten Sie sorgfältig prüfen, inwieweit Ihre Entwürfe dem Urheberrecht unterliegen und ob Sie hier Ansprüche geltend machen können. Dazu rate ich jedoch erst, wenn alle anderen Wege scheitern.

Viel Erfolg!


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Christian Büning
Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Kommunikationsdesigner/
PAGE Kolumnist »Business Basics«

info(at)bdg-designer.de
http://www.bdg-designer.de

Christian Büning ist Inhaber des Büro Büning Informationsgestalter und Gründer des Werkstoff Verlags. Er ist Autor der BDG Gründerfibel und schreibt in der PAGE monatlich für Designunternehmer. Im BDG engagiert er sich für faire Märkte und professionelle Teilnehmer, seit 2011 in der Funktion als Präsident. Er ist leidenschaftlicher Fan von schematischen Zeichnungen und kann sich oft stundenlang nicht zwischen der Unit und der Droid Sans entscheiden. Christian Büning lebt und arbeitet in Münster – mit Fahrrad, natürlich.

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