Service Design – Studium und Ausbildung

3 Fragen an die Professoren Kai Bergmann und Daniel Rothaug von der Hochschule Augsburg …



 

In diesem Video erklären Kai Bergmann, Professor für interdisziplinäre Kommunikation, und Daniel Rothaug, Professor für Interfacegestaltung, beide von der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg, warum es sich lohnt Service Designer zu werden, welche falschen Annahmen über das Tätigkeitsfeld kursieren und was man mitbringen muss, um in der Disziplin erfolgreich zu sein.

 

3 gute Gründe, sich auf Service Design zu spezialisieren

 

1.    Kai Bergmann: Service Design ist interessant, weil man von der Marketingabteilung eines Kunden hin zur Forschungs- und Entwicklungsabteilung weitergereicht wird. Man dringt tiefer in das »Herz« des Kunden ein und wird dadurch relevanter – für die Mitarbeiter, für das Produkt und für die Kunden.

2.    Daniel Rothaug: Produkte definieren sich heutzutage über Services. Sie sind keine festen Einheiten hinter einer geschlossenen Hülle mehr, sondern lösen sich quasi in Services auf. Sobald ich ein Produkt gestalte, muss ich auch über die Services nachdenken, die damit zusammenhängen. Beispiel Automobilindustrie: Sie baut nicht mehr nur die Hülle um einen Motor, sondern schafft eine Infrastruktur auf Rädern.
Kai Bergmann: Und das wird weiter zunehmen. Es wird Komplettpakete geben von der Konzeption des Produkts bis hin zu allen Dienstleistungen und Schnittstellen und letztlich der Gestaltung. Als Service Designer ist man komplett involviert in den Prozess von den ersten Sketches bis zum Rollout.

3.    Kai Bergmann: Damit geht die Stärkung des Designs in der allgemeinen Wahrnehmung einher. Wer tief in der Entstehung eines Produkts oder einer Dienstleistung involviert ist, wird wirtschaftlich anders wahrgenommen als jemand, der nur die Dekoration macht.

 

3 falsche Annahmen über Service Design

 

1.    Kai Bergmann: Service Design ist keine neue Disziplin! Es ist eher eine alte, grundlegende Methodik mit Kunden zusammenzuarbeiten. Beispiel Otl Aicher und Erco: Aicher hat das Branding gemacht, den Katalog maßgeblich geprägt und schließlich sogar die Produkte. Das hat damals niemand Service Design genannt, aber im Grunde ist es genau der Prozess, den wir heute so nennen.

2.    Daniel Rothaug: Service Design ist keine Unternehmensberatung, auch wenn manche Aspekte damit zu tun haben, weil man tief in die Unternehmensprozesse einsteigt. Genauso wichtig ist die andere Seite: die Anwender. Der Gestalter übernimmt die Aufgabe des Moderators zwischen diesen beiden Welten und wirkt auf das Unternehmen ein, entsprechende Services möglich zu machen. Das hat auch Aicher sehr konsequent betrieben.

3.    Kai Bergmann: Service Design ist nicht Design Thinking! Letzteres ist eine Methode innerhalb des Felds Service Design, um Produkte oder Prozesse zu verbessern. Design Thinking wird von Service Designern betrieben und geleitet. Und dabei geht es nicht darum, Post-ist an die Wand zu hängen!

 

3 Anforderungen, die Studierende erfüllen müssen

 

1.    Kai Bergmann: Das Wichtigste ist Empathie. Man muss sich interessieren für die Bedürfnisse und Wünsche von anderen Menschen. Man muss gut zuhören und auch zwischen den Zeilen lesen können – sowohl beim Kunden als auch bei den Anwendern.

2.    Daniel Rothaug: Gestalterische Experimentierfreudigkeit. Man muss seine gestalterischen Fähigkeiten dazu nutzen, Probleme sichtbar und diskutierbar zu machen, um anderen Menschen Sachverhaltevermitteln zu können. Das hat viel mit angewandter Gestaltung zu tun, aber eben nicht in Form des Ergebnisses, sondern um Prozesse zu visualisieren.

3.    Kai Bergmann: Gut Form geben und mit Typografie umgehen können schadet auch nicht.

 


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Zum Download des PAGE Connect eDossiers »Das macht ein Service Designer bei SinnerSchrader« geht’s hier.

 

ServiceDesignCCCSS16

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