Neue Mitte: Relaunch »Der Spiegel«

Heute erschien Der Spiegel im neuen Look. Doch ist neu auch besser? Wir haben drei Editorial Design Experten gefragt, was sie davon halten.



 

  

Heute erschien Der Spiegel im neuen Look. Doch ist neu auch besser? Wir haben drei Editorial Design Experten gefragt, was sie davon halten.

Der erste Relaunch nach mehr als 17 Jahren, mit größerem Satzspiegel, einer klaren Bildsprache und mit der Hausfarbe Orange, die jetzt auch die eVersion bestimmt. Entwickelt wurde das neue Layout inhouse von Art Director Uwe C. Beyer und der Chefredaktion. 

Doch ist neu auch besser? Antworten von drei Gestaltern, die es wissen:

Unaufgeregte Rasterführung

 

Andreas Volleritsch von Neubau Editorial Design, preisgekrönt und spezialisiert auf die Neuentwicklung und den Relaunch von Magazinen:

»Die grafische Grundstruktur unterscheidet sich wenig vom alten Design, und wirkt durch die starre Rasterführung unaufgeregt, optisch streckenweise eher langweilig. Beeindruckend finde ich die Bildsprache bzw. Bildauswahl.«

Wirr und voll

 

Dirk Bartos von BartosKersten Printmediendesign, die Allegra ebenso zu ihren Kunden zählen wie Brigitte, Stern oder Chip:

»So viel ist es ja auf den ersten Blick nicht. Man wird sich nach wenigen Ausgaben daran gewöhnt haben. Die Linksbündigkeit der Headlineblöcke finde ich sehr gut – die Mittelachse hatte mich immer gestört. Die Farbe Orange als Auszeichnungsfarbe im Heft ist gewöhnungsbedürftig, aber okay. Warum nicht. Die Doppelseiten sehen ansonsten okay aus, aber nicht unbedingt großzügiger und eleganter, wie im Text erwähnt. (Zumindest bei den Dummyseiten). Insbesondere der Inhalt. Den finde ich wirr und voll. Lädt mich nicht zum Lesen ein.«

Orange als »Neue Mitte«

 

Prof. Julia Kühne der Stuttgarter Agentur Gold & Wirtschaftswunder, die Ausstellungskataloge  konzipiert und Magazine wie Patternwirtschaft und VORN:

»Die Zeitschrift als ein »Haus, in dem man sich hinterher wohler fühlen muss als zuvor«. So beschreibt Art Direktor Uwe C. Beyer den aktuellen Relaunch des Spiegel. Es handelt sich tatsächlich nicht um einen Neubau, um bei Beyers Bild zu bleiben, sondern um einen Tapetenwechsel bei gleichbleibendem Grundriss. Der grundlegenden Charakter des Magazins wurde nicht verändert. Der Satzspiegel wurde minimal vergrößert, was etwas mehr Leichtigkeit in das Layout bringen soll. Der Spiegeltypische dichte, etwas behäbige Seitenaufbau wurde aber beibehalten – jugendlich und dynamisch wirkt das nicht, soll es aber auch gar nicht. Die Auszeichnungsfarbe Orange löst das dunkle Rot ab, das bisher für Kolumnentitel und Textauszeichnungen verwendet wurde. Der SPIEGEL greift damit im Innenteil die charakteristische Farbe des Titelrahmens auf. Und setzt einen allgemeinen Orange-Trend fort. So begegnet uns die Farbe Orange als Farbe im politischen Kontext immer öfter. Die CDU versucht diese als Hausfarbe durchzusetzen und so visuell das »schwarze Image« loszuwerden. Und auch auf den aktuellen Europa-Wahl-Plakaten verschiedener Parteien taucht Orange auf. Sogar Plakate der SPD, die letztes Jahr durch eine irrwitzige Farbkombination aus Purpur und Rot auf sich aufmerksam machte, werden teilweise durch Orangefarbene Flächen bestimmt. Die unbeliebte Farbe Orange als »Neue Mitte« sozusagen. Interessanter als der visuelle Neuanstrich ist die inhaltliche Sanierung, die einen klaren Fokus auf Meinungsbildung und Meinungsäußerung legt. Zum Beispiel die Hefteröffnung durch einen Leitartikel, der klar Stellung bezieht und ohne Namensnennung die Meinung der SPIEGEL-Redaktion abbildet oder auch die Einführung zweier neuer Kolumnenplätze, in denen Kolumnisten durchaus streitbar ihre Meinung äußern.«

 




2 Kommentare


  1. Claudia Gerdes

    Leider ebenso mutlos wie der »Stern«-Relaunch. Ich wünsche mir mal ein so zeitgemäßes Redesign wie Richard Turley es bei »Bloomberg Businessweek« gemacht hat!


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