Reeperbahn Festival 2013: Blick in die Zukunft

Das Reeperbahn Festival 2013 wartete erstmals mit einem umfangreichen Konferenz-Programm auf. Ein kleiner Einblick.



Das Reeperbahn Festival 2013 wartete erstmals mit einem umfangreichen Konferenz-Programm auf. Ein kleiner Einblick.

Neben Unmengen Musik und Kunstausstellungen konnten Festival-Besucher in diesem Jahr Vorträge, Panels und Keynotes zu den Themen Musik, Digitalisierung und Kreativbranche besuchen. Aufgrund des reichen Programms konnten wir leider nicht alles sehen. Hier ein kleiner Einblick, was wir so auf der Reeperbahn erlebt haben.

Panel zur Zukunft der Agenturen

Agenturen der Zukunft

In Suite 606 des Arcotels drehte sich am Freitagmorgen alles um die Arbeit in Agenturen – wie sie ist und wie sie besser sein könnte. Jörg Jelden stellte die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit „Agenturen der Zukunft“ vor, woraufhin eine lebhafte Diskussion entbrannte. Einig waren sich aber alle Beteiligten – sowohl die Panel-Teilnehmer (neben Jelden saßen hier Susanne Lämmer von TLGG und Jeremy Abbett von Google) als auch die Zuhörer auf den Karton-Hockern -, dass sich etwas ändern muss.

Diese Erkentniss habe sich mittlerweile zwar auch auf Chef-Ebene durchgesetzt – allein an Lösungen hapert es noch. „Bei 120 Prozent Auslastung kann nichts Neues entstehen“, bringt Jelden das Problem auf den Punkt. Noch gehe es den Agenturen aber zu gut, als dass sie tatsächlich handeln müssten.

Lämmer stellte dagegen TLGG als gelungenes Gegenmodell vor: Eine (gar nicht mehr so) kleine Agentur, in der die Mitarbeiter einfach das tun, was sie in ihrer Freizeit auch interessiert. Und in der flexible Arbeitszeiten und -Orte kein No-Go sind.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Agenturen, um Kreativtalent zu holen und zu halten, ist die Kultur im Unternehmen. Die lässt sich allerdings nicht erzwingen. Zauberei sei das aber auch nicht, so Lämmer. Man müsse einfach auf die Leute eingehen, mit internen Kreativ-Events Lust auf Neues wecken und sich schlicht für Mitarbeiter und Kunden interessieren. Ab einer Größe von 120 Mitarbeitern wird das allerdings schwierig, so Jelden.

Ein wichtiges Ziel sollte auch sein, mit dem Kunden wieder auf Vorstandsebene zu sprechen. Derzeit seien zu viele Agenturen dazu verdonnert, mit Brand Managern und Marketingchefs zu reden statt mit den wirklichen Entscheidern. So könne die immer wieder erforderte Beratungsleistung hinsichtlich Unternehmensstrategie und Produktentwicklung schlicht nicht statt finden.

Fazit: Es muss sich etwas ändern – aber in großen Agenturen ist das schwierig und wird noch eine ganze Weile dauern. Dafür sprießen immer mehr kleine, agile Agenturen und Studios hervor, in denen die Kultur stimmt und die Arbeit Spaß macht.

Agile Methoden

Im nächsten Panel wurden die Arbeitsprozesse selbst näher betrachtet. Arne Roock (IT Agile) stellte die Produktentwicklungsprozess-Methode Kanban vor, bei der es im Wesentlichen darum geht, Projekte in Teilschritte einzuteilen und zu visualisieren. Regelmäßige Feedback-Runden bewahren außerdem vor Fehlentwicklungen. Friederike Müller, Community Manager bei Xing, berichtete, wie ihr Team die alltägliche Arbeit mit dem System organisiert.

Ein Tool sei aber immer nur ein Tool, so Roock: Wesentlich für den Erfolg sind die Menschen dahinter. Man müsse immer ausprobieren und anpassen an die jeweiligen Bedürfnisse. Agile Methoden stoßen nicht überall auf Gegenliebe – „Transparenz schmeckt nicht allen“.

Internet of Things

Im 20. Stock der Tanzenden Türme gaben am frühen Nachmittag Julia Kümmel und Sven Kräuter von Making Things Happen Einblicke in aktuelle Entwicklungen des Internet of Things: von spielerischen Anwendungen wie Molly – ein kleiner Kasten, der für jeden Retweet eine Süßigkeit ausgibt – über aufmerksamkeitsstarke Projekte wie der interaktive Kickertisch von SinnerSchrader, der automatisch Punktestände twittert hin zu Projekten mit tatsächlichem Nutzen wie die Bleep Bleeps, die bei der Familienplanung helfen.

Freilich handle es sich bei all diesen Projekten um Spielereien und Lösungen für „First World Problems“ – doch durch die Erschwinglichkeit von Arduino-Bastelkits etc. seien durchaus auch weitreichendere Entwicklungen für die Dritte Welt denkbar – wie beispielsweise der Einplatinencomputer Raspberry Pi. Interessante Entwicklungen in dem Bereich werde auch noch die Bluetooth-Anwendung Beacon bringen, glaubt Kräuter.

Ziel des Internet of Things müsse immer sein, die Interaktion mit dem Netz so nahtlos wie möglich zu machen. Dafür müssen Daten anders visualisiert und vor allem vom Bildschirm losgelöst werden. Als Möglichkeit nannte Kümmel etwa eine „Fahrradjacke“, die einem durch Druck zu verstehen gibt, ob man links und rechts fahren muss. So viel steht fest: Beim Internet of Things ist noch viel Luft nach oben.




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