Werbe-Kunst und Selbstentblößung

Karl Neubacher? Schon mal gehört? In Graz kann man jetzt einen Blick auf das furiose Werk des Medienkünstlers werfen, der Corporate Identities, Plakate und Kampagnen für Marken und Minister schuf.



Karl Neubacher? Schon mal gehört? In Graz kann man jetzt einen Blick auf das furiose Werk des Medienkünstlers werfen, der Corporate Identities, Plakate und Kampagnen für Marken und Minister schuf.

Dass Kunst einen festen Platz in der Öffentlichkeit haben muss, war das Anliegen der steirischen Kunstszene der 1970er-Jahre. Man griff zu Videokameras, die die Filmproduktion demokratisierten und jeden zu einem Regisseur machten – und natürlich war auch der Weg zum Grafikdesign nicht weit, das Haltungen prominent übers Land verteilt.

Bereits 1953 gründete Karl Neubacher (1926-1978) in Graz sein Werbeatelier. Er entwarf Corporate Identities für Unternehmen wie Pharmed, Humanic, Stross, Apomedica und vielen anderen, die seine Experimentierfreude schätzen, gestaltete Kunstmagazine und entwarf Kampagnen für die katholische Kirche und die Österreichische Volkspartei, für die er Zwitterwesen schuf, die zur Wahl aufforderten.

Um den menschlichen Eingriff in die Natur anzuprangern, beschnitt er die Blätter einer Zimmerlinde zu Quadraten und entwickelte für das Kunstfestival steirischer herbst 1971 ein Plakat, auf dem er sich in Selbstporträts auf jeweils ein Sinnesorgan reduziert und das rege übermalt, bekritzelt und ausgemalt wurde.

Überhaupt brachte er Selbst-Entblößung, die radikale Zurschaustellung seiner Selbst in die meisten seiner Arbeiten mit ein, machte seinen eigenen Körper zum Ausgangspunkt zahlreicher seiner Entwürfe und balancierte damit auf der Grenze zwischen seiner Arbeit für die Werbung und für die Kunst.

Jetzt endlich sind zahlreiche seiner Arbeiten, die über Österreichs Grenzen hinaus nicht allzu bekannt sind, in einer Ausstellung zu sehen.

Karl Neubacher (1926-1978), Kunsthaus Graz, bis 12.10.2014




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