Kreative Berufe: Sound Designer

Ob Audiologo, Markenjingle oder die akustische Optimierung von Staubsaugern – in einer zunehmend digitalen und elektronischen Welt wird der Beruf des Sound Designers immer wichtiger und vielfältiger.




Jobbezeichnung:  Sound Designer, Klanggestalter, Tongestalter

Ausbildung:  Kommunikationsdesign- oder Sounddesignstudium

Gehälter (brutto):  Ähnlich wie im klassischen Design, als Artdirektor zwischen 30 000 und 40 000 Euro
im Jahr, später um die 80 000 Euro, vergleichbar einem Kreativdirektor


Rainer Hirt ist Kommunikationsdesigner und Mitbegründer von audity, einer Agentur für Audio Branding und Audio Interaction aus Konstanz, die Kunden wie B/S/H, Swiss International Air Lines oder Tirol betreut. Außerdem lehrt der 34-Jährige akusti­sche Markenführung an der Popakademie Baden-Württemberg und hat die Audio Branding Academy in Hamburg mitgegründet. Wir sprachen mit ihm über seinen Arbeitsalltag, seine Vorbilder und die Zusammenarbeit mit Kunden.

Wie sind Sie Sounddesigner geworden?
Rainer Hirt: Ich bin ein Quereinsteiger. Als Kind hatte ich eine klassische Gesangsausbildung bei den Sängerknaben und spielte als Jugendlicher in einigen Bands. Später habe ich Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Konstanz studiert und mich schnell gefragt, wie ich beide Leidenschaften verbinden könnte. Studiengänge wie Corporate Sound oder Audio Branding gab es nicht, die Themen wurden im Studium höchs­tens mal gestreift. So kam es, dass ich schon in mei­nem ersten Praxissemester das Portal audio-branding.de ins Leben gerufen habe. Ich wollte damit die Schnittstelle zwischen Corporate Design und Sound ausloten und herausfinden, was es in Bezug auf Audiologos und Markenstimmen alles gibt. Ich dachte, dass ich Buchtipps bekommen würde oder die Leute Soundbeispiele hochladen würden. Stattdessen wurde ich selbst um Empfehlungen gebeten und erhielt sogar erste Kundenanfragen.

Ist Sounddesign mittlerweile ein größeres Feld?
Das Bewusstsein dafür wächst. Sounddesign ist ein noch neues Berufsfeld und hält deshalb auch so viele Möglichkeiten offen.

Welche Fähigkeiten sollte man denn als Sounddesigner mitbringen?

Das kommt auf den Bereich an, in dem man arbei­ten möchte. Grundsätzlich muss man natürlich ein gewisses musikalisches Verständnis besitzen. Man braucht aber kein Musikstudium, es gibt viele Auto­didak­ten in der Branche. Doch die Grundfähigkeit, das, was im Kopf entsteht, in Klänge umzusetzen, muss vorhanden sein. Als Corporate-Sound-Desig­ner benötigt man Kreativität und ein Verständnis für Markenkommunikation – vor allem auch einen Überblick darüber, was die anderen machen. Gibt es den Klang schon? Oder einen ähnlichen? Woran könnte er erinnern? Zudem soll­te man Soundprogramme wie Logic, Pro Tools et cetera kennen.

Arbeitet man im Funktionsklangbereich und beschäftigt sich zum Beispiel mit Klängen für Haushaltsgeräte, steht die Benutzerfreundlichkeit im Vor­dergrund. Man sollte die Fähigkeit haben, komple­xe Zustände auf einzelne Töne herunterzubrechen, etwa darauf, wie die Zustände An und Aus klingen können oder der Warnton für Verbrann­tes. Wichtig ist neben Semantik, Rhythmik und Laut­stärke ein Grund­ver­ständnis von Lautsprechertechnik.

Im Bereich der Psychoakustik wiederum ist eine Ausbildung in Maschinenbau und Elektrotechnik hilfreich, weil man sich als Konstrukteur damit beschäftigt, wie man das Zuschlagen einer Autotür akustisch optimiert oder einen Staubsauger besser klingen lässt. Darüber hinaus gibt es heute Architektur-Sounddesign, bei dem sich Städteplaner mit dem Klang einer Stadt beschäftigen und damit, wie man ihn durch die Anordnung von Gebäuden beeinflussen kann. Als Food-Sounddesigner erforscht man, auf welche Weise die Rezeptur den Klang, der beim Schneiden, Zerteilen oder Beißen entsteht, ver­ändert. Dafür ist dann eine Ausbildung in Le­bens­­mitteltechnik sinnvoll.

Wie sieht der typische Arbeitstag eines Sounddesigners aus?
Den gibt es nicht, höchstens ein paar typische Arbeitsabläufe. Gibt ein Kunde ein akustisches Wiedererkennungsmerkmal in Auftrag, startet die Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Kick-off. Man schaut, ob bereits Sounds wie die Melodie in der Telefonschleife mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, und überlegt, ob sich ein Audiologo oder ein Song besser eignen würde. In die­ser Orientierungsphase arbeitet man eng mit dem Kunden zusammen und definiert die Klangästhetik.
Wie verständigt man sich darüber? Schließlich ist Klang sehr abstrakt.

Wir spielen dem Kunden viele Soundbeispiele vor, sensibilisieren ihn, genau hinzuhören, und arbei­ten auch mit Lautmalerei. Wir gehen spielerisch vor, ex­perimentieren, wie Innovation klingt, hinterfragen, ob sich Tradition wie ein Marsch anhören muss, und versuchen so, uns dem Ziel anzunähern. Ist dann schließlich eine Soundästhetik definiert, evaluieren wir diese in akustischen Moodboards gemeinsam mit dem Kunden und halten die Ergebnisse in einem Sound Guide fest.

Gehört die Arbeit im Tonstudio auch zum Sounddesigner-Alltag?
Die Postproduktion kann Teil des Berufes sein. Wie viel Raum die Arbeit im Tonstudio einnimmt, hängt jedoch von der eigenen Ausrichtung ab. Im besten Fall arbeitet man zudem mit Bands und Orchestern zusammen. Das Budget dafür ist nicht immer da, der Anspruch aber schon. Vor allem ist der Live-Klang auch sehr wichtig für die Qualität und den »Geist« des Sounds. Auch wenn den feinen Unterschied am Ende nicht jeder hört, spürt man doch die Ehrlichkeit und Handarbeit. Das haben wir erneut gemerkt, als wir vor Kurzem einen Sound für die Marke Tirol entwickelt haben und dafür die Zitter und das Alphorn live einspielen ließen.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Sounddesigner?
Enorm viele. Gerade eröffnen sich im Sounddesign beständig neue Felder. Die Vernetzung des Haushalts gehört dazu, die Datenbrille und auch die gan­zen neuen Technologien, in denen die Sounds verloren gehen. Zum Beispiel bei geräuschlosen Elektromotoren oder Maschinen, die so still sind, dass man nicht mehr unterscheiden kann, ob sie an oder aus sind. Gleichzeitig kann man beobachten, dass auch in der digitalen Welt der Mensch wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, und auch da ist Klang wichtig. Er gehört zum Leben und vermenschlicht die digitale Ebene.

Arbeitet man als Sounddesigner eher frei oder als fest Angestellter?
Das kommt ganz auf die Agentur an. Aber generell ist das Sounddesign eine Freelance-Branche. Es gibt viel Projektarbeit, bei der die unterschiedlichs­ten Talente zusammenfinden, die alle aber auch einen bestimmten Stil haben. Schon allein aus diesem Grund arbeitet man gerne mit verschiedenen Desi­g­nern zusammen.

Haben Sie eigentlich Helden im Bereich des Sound­designs?
Auf jeden Fall Ben Burtt, der für den Sound von »Star Wars« verantwortlich ist, oder auch Walter Werzowa, der wunderbar unprätentiöse Komponist des Intel-Audiologos.


Ausbildungen im Bereich Sounddesign

UdK Berlin, Sound Studies: viersemestriger Masterstudiengang
www.udk-berlin.de/sites/soundstudies

Universität Bonn, Abteilung für Musikwissenschaft/Sound Studies:
Zwei-Fach-Bachelorstudium, das sich mit Musikwissenschaft
und Organised Sound beschäftigt
www.musikwissenschaft.uni-bonn.de

Universität Siegen, Forschungsschwerpunkt Audio Branding der
naturwissenschaftlich-technischen Fakultät: Verbindet
medienwissenschaftliche und audiotechnische Aspekte mit  Marketing und Markenkommunikation.
http://is.gd/audiobranding_siegen

Staatliche Hochschule für Musik Trossingen in Kooperation mit
der Hochschule Furtwangen, Fakultät Digitale Medien:
achtsemestriges Studium (Komposition, Sounddesign, Marketing)
www.musikdesign.net/md


Weitere Jobprofile in der Kreativbranche finden Sie in unserem Artikel: Kreative Berufe: Jobprofile und Gehälter





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