Interaction Design – Hochschulen auf einen Blick

Die rasante Entwicklung im Bereich Digitale Medien stellt hohe Ansprüche an User Experience und Interaction Design – und erfordert dynamische Angebote in Studium und Ausbildung. Der Nachwuchs möchte wissen, wo es hingeht. Und die Agenturen warten auf junge Talente.



Interaction-Design
UX Design, Interface Design, Interaction Design: Die Berufsbilder in der Digitalbranche sind so vielfältig wie ihre Anwendungbereiche. Das schnelle Fortschreiten der Technologie swowie zahllose Nutzungsszenarien fordern die Ausbildung immer neuer Skills. (Abbildung aus: WEAVE 04.2011)

Das Internet verbindet allgegenwärtig Menschen und Objekte. Räume und Realitäten erweitern sich. Damit die Interaktion zwischen Mensch, Objekt und Raum funktioniert, braucht es Parameter in Form von Produkten und Software. Die Gestaltung dieser Parameter ist die Aufgabe des Interaction Design. So er­klärt Prof. Boris Müller von der Fach­hochschule Potsdam:

»Interaction De­sign ist ein orthogonales Fachgebiet, das etwa die Berei­che Interface Design, User Experience und Phy­sical Com­puting miteinander verbindet.«

Erst in den späten 1980er Jahren führten Bill Moggridge (IDEO) und Bill Verplank (Xerox Parc, IDEO) die Formulierung »Interaction Design« in die Computerwelt ein. Zukunftsweisende Studiengänge gab es aber schon vorher: An der Tisch School of the Arts der New York University startete bereits 1979 das »Interactive Tele­com­munications Program«. Am Royal Col­-lege of Arts gründete Gillian Crampton Smith 1989 einen der ersten Kurse in England und später das einflussreiche italienische Institut Ivrea. 1993 begann, ebenfalls in Lon­don, der Mas­terstudiengang Design for Interactive Media am Centre for Electronic Arts der Middlesex University.

Zur gleichen Zeit entwickelten die deutschen Hochschulen zudem erste Stu­dienangebote für die damals noch sogenannten Neuen Medien. In diesen Jahren wurden auch die ersten Agenturen wie Pixelpark und I-D Media in Deutschland sowie Deepend in London gegründet.

Obwohl früh fachspezifische Studien­gänge und Agenturen entstanden, gab es lange Zeit in beiden Bereichen Tendenzen, das Digitale lediglich als Anhang klassischen Kommunikations- und Industriedesigns zu sehen. Die Komplexität von Navigationsstruktu­ren und Informationsarchitektu­ren der digitalen und zeitbasierten Medien wurde unterschätzt. Hochschulen und Unternehmen übersahen, dass die Erfahrungen und Handlungsweisen der Anwender aktiv mitgestaltet werden können.

Prof. Dr. Gerhard M. Buurman von der Zürcher Hochschule der Künste meint daher: »Interaction Design ist heute eine eigenständige Disziplin mit ihren eigenen Techniken, Methoden, Werten und Ergebnissen. Neben zentralen Fragen der Gestaltung – Stichwort Experience Design – ist die Disziplin heute auch in moderieren­der Funktion tätig und stößt Debatten von gesellschaftlicher Bedeutung an. Die Beiträge sind jedoch keine Theorien, vielmehr sehen wir praktische Beispiele, Lösungsvorschläge, Prototypen und Dienste. Wir sprechen da­rum von Action-Based Research.«

IxD-Interaction-Design-Studium-Hochschule
Education Interaction Design: Einen Überblick über Gestaltungshochschulen bietet die von Stefan Wölwer eingerichtete Karte

Prof. Buurman leitet eines der angesehensten Interaction Design Programme und versteht es immer wieder, das Fach als kompetente, wertvolle Disziplin auch in der Wirtschaft zu etablieren. Er ist Mitbegründer des Swiss Design Institute for Finance and Banking (SDFB). Das interuniversitä-re Designkompetenzzentrum für an­gewandte und wissenschaftliche Forschung dient der Optimierung der Beziehungen zwischen Finanzdienstleistern und deren Kunden – auf Neudeutsch Banking Experience. Aus der­art kompetenter Zusammenarbeit resultiert, dass Interaction Designer in Zukunft ganz selbstverständlich in vielen wichtigen Bereichen von Gesellschaft und Forschung wirken werden. Interaction Design ist für Buurman ein strategischer Erfolgsfaktor.

Trotz vieler positiver Beispiele mangelt es allerdings zum Teil an der allgemei­nen Kommunikation zwischen Agenturen und Hochschulen. Ein häufiger Kritikpunkt seitens der Agenturen ist der von ihnen empfundene Mangel an guten Studiengängen und Absolventen. Paradox erscheint dies vor dem Hintergrund, dass es an vielen Fakultäten exzellente Lehrende gibt, die aus den Agenturen kommen und somit ein sehr praxisnahes Studium bieten. Zugleich vergessen die Hochschulen, aber, genügend über ihr Angebot und Ausbildungsspektrum aufzuklären und den Kontakt mit dem Markt zu suchen, wie Tatjana Henschel, Exe­cu­ti­ve Creative Director bei Publicis Ham­burg, verdeutlicht:

»Die Hochschulen müssen das eigene Angebot noch besser kommunizieren. Ein effizientes Mittel hierfür sind beispielsweise Wettbewerbe – schließlich sitzen in den Jurys oft führende Agenturköpfe, die so auf die Institute und Studierenden aufmerksam werden.«

Ein Vorbild ist hier das Interaction-Design-Programm der Danish Design School und des Copenhagen Institute of Interaction Design, die über eine ei­gene PR-Abteilung verfügen.

Neben der Kommunikation untereinander liegt eine weitere gemeinsa­me Herausforderung für Agenturen und Hochschulen in der Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge. Dies bei gleichzeitiger Veränderung der Bewerberlage durch verkürztes Abitur und zurückgehende krea­tive Fächer an Gymnasien – die Agenturen werden in einigen Bereichen Trainee-Kurse anbieten müs­sen, um die Absolventen fit zu machen. Scholz & Volkmer hat  darum eine eigene Akademie ins Leben gerufen, wie Geschäftsführer Peter Post erklärt: »Wir haben uns schon immer mit Lehr­aufträgen und Gastvorträgen an diversen Hochschulen engagiert. Im Moment richten wir dieses Engagement allerdings verstärkt auf die interne Aus- und Weiterbildung. Dazu startet in wenigen Wochen unsere S&V Academy, die auch Quereinsteigern aus der Klassik schnell ›digitale‹ Bodenhaftung verschaffen wird.«

Durch den Bologna-Prozess herbei­ge­führte Umstrukturierungen an den Hochschulen erweitern die Aufgaben der Lehrenden weit über Lehre und Forschung hinaus. Die Selbstverwaltung der Hochschulen und Akademien verlangt Kompetenz in Finanz-, Personal- und Strategiefragen. Auch wandeln sich gerade im Interaction Design die Technologien rasant. Dies macht eine enorm schnelle Aktualisierung der Lehrinhalte und der Infrastruktur in Laboren und Werk­stätten erforderlich. Darüber hinaus gilt es die richtigen Entscheidungen darüber zu treffen, welche Inhalte in einem relativ kurzen Bachelorstudium vermittelt werden sollen und können und welchen Fokus ein fachspezi­fischer oder konsekutiver Masterstudiengang haben sollte. Das erfordert Entschlusskraft und Verantwortung.

Insbesondere im Interaction Design wird die Kooperation der verschiedenen Lehrgebiete immer wich­ti­ger. Dazu Interaction Designer und Autor Andy Polaine:

»Die Lehrenden  sprechen vielfach von interdiszipli­nären Projekten und bewegen sich da­bei doch nur im eigenen Lehrgebiet, das sie gegen die Meinung und Auslegung anderer verteidigen.

Sie sollten sich daran gewöhnen, dass sie inzwischen mit Digital Natives zusammensitzen, die das vom Lehrenden Gesag­te zeitgleich am Laptop prüfen und sich in sozialen Netzwerken darüber austauschen. Für Dozenten und Professo­ren bedeutet das eine einschneidende Wandlung vom Experten an der Tafel zum Coach auf der Reise durchs Studium. Die Hochschulen müssen ih­­re Leh­re anpassen, ehe ihnen die Ge­stal­tungsfreiheiten abhanden kommen.«

Studierende, die heute mit 22 Jahren einen BA Abschluss erreichen, ar­beiten voraussichtlich bis zum Jahr 2056. Allein für die nächsten Jahre ist es nahezu unmöglich, eine klare Vorhersage über die notwendigen Lehr­inhalte zu treffen. Diese Situation ver­langt von den Hochschulen Offenheit und Risikobereitschaft. Bologna lässt viel Raum, der von den Hochschu­len ge­nutzt und gestaltet werden will. Das Spielerische und Neugierige, das dem Interaction Design eigen ist, kann bei der Ausgestaltung helfen.

 


Was Agenturen von Bewerbern erwarten

»Für uns sind drei Dinge wichtig. Erstens eine gute analyti­sche Denke und die Fähigkeit, komplexe Dinge zu erfassen und einfach darzustellen. Das zeigt sich meist schon im Gespräch mit dem Bewerber. Wie gut kann er zum Beispiel über Hochschulprojekte sprechen? Zweitens ein Gespür für Äs­the­tik. Das gilt für Konzepter ebenso wie für visuelle Gestalter. Drittens Persönlichkeit. Einen eigenen Kopf mit eigenen Ideen, dabei aber auch die Bereitschaft, mit anderen zu arbeiten und von anderen zu lernen. Natürlich sind die technischen und handwerklichen Fähigkeiten wichtig, aber jemand, der diese Punkte mitbringt, wird sich ohnehin selbst darum kümmern. Andersherum wird es ungleich schwieriger.«

Marco Spies, Creative Director bei neo moto, Berlin


 

Die Erwartungen, die Agenturen an die Hochschulen richten, sind vielfältig. Einige fordern Absolventen, die fit in einer spezifischen Webtechnologie sind. Andere wiederum argumentieren, dass das Fachspezifische innerhalb der Agentur vermittelt wird und dass man Wert auf Bewerber legt, die die Komplexität des Interaction Design verstanden haben. Zum oft gefor­derten Generalisten werden Designer jedoch erst nach langer Erfahrung im Beruf. Nicht zuletzt erwarten Kreativdirektoren Teamplayer, wie Peter Post weiter ausführt: »Eine Kernkompetenz unserer Designer ist Teamwork. Herausragende Projekte werden nicht von Einzelmeistern, sondern von mul­tidisziplinären Teams gemacht. Wer sei­ne Rolle im Team und die dazugehörenden Schnittstellen beherrscht, hat die Nase vorn.« Boris Lakowski von Sternsdorf Lakowski & Partner legt Wert auf technisches Experimentieren im Physical Computing und findet hier Unterstützung bei Thomas Gläser, Mitbegründer von envis precisely:

»Man braucht gute Ideen im richtigen Kontext, aber auch die Fähigkeit, Prototypen zu programmieren.«

Dabei kümmert es die Agentu­ren wenig, ob nun ein BA-, Diplom- oder MA-Abschluss vorliegt, sie urtei­len nach dem Portfolio der Bewerber.

Die Angebote der Hochschulen in Bachelor- und Masterstudiengängen sind ebenso vielfältig wie die Anforderun­gen und Wünsche der Agenturen und Auftraggeber. Zum einen erkennen die technischen Hochschulen Design zunehmend als forschungsrelevante Disziplin und entwickeln das Inge­nieurs- und Informatikstudium sinnvoll weiter. An der Hochschule Ulm entstand bereits 1999 der Studiengang Digitale Medien, wie Prof. Dr. Silko-Matthias Kruse berichtet: »Die Intention bestand darin, die im Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Ulm angebotenen Inhalte thematisch zu erweitern und zu modernisieren. Heute liegt der Schwerpunkt auf einer Verknüpfung zwischen technischen Inhalten und Gestaltung.« Und an der Fachhochschule Hagenberg in Oberösterreich wuchs der Studiengang Medientechnik und -design zum Beispiel aus dem Software Engineering heraus.

Daneben erkennen die Hochschulen mit klassischen Studiengängen im Kommunikationsdesign, dass sie für die sich wandelnden Märkte pro­zess­orientiertes Design und tech­no­lo­­gi­sche Kompetenz benötigen. Sie rea­lisieren, dass neben der grafischen Oberfläche auch Zeit und Handlungsabläufe gestaltet werden müssen. Bereits 1988 erweiterte die Fachhochschule Münster das Curriculum um das Lehrangebot Interaktive Medien. »Wir legen viel Wert darauf, dass sowohl Studierende als auch Lehren­de aus den unterschiedlichen Fach­richtungen zusammenarbeiten«, erläutert Prof. Tina Kindel.

Ein drittes Angebot bietet das Industriedesign, das sich traditionell mit der Schnittstelle Mensch-Maschi­ne und haptischen Interfaces beschäftigt. Prof. Frank Jacob von der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel sagt dazu:

»Unsere Schwerpunktsetzung auf die Gestaltung der Interaktion mit kom­plexen technischen Produkten bedeutet nicht, dass wir nicht auch reine Software Interfaces gestalten. Aber wir nutzen unsere Wurzeln im klassischen Industriedesign, um eine ganzheitliche Verschmelzung von Pro­dukt, Interaktion und grafischem User Interface in Perfektion zu erzielen.«

Ebenso verfolgt die Hochschule Mag­deburg-Stendal (FH) eine klare Strategie: »Im BA wird parallel zum Produktdesign auch Interaction Design gelehrt, sodass Studierende moder­ne Industrieprodukte von Anfang an immer in Hardware und Software, in Atomen und Bits denken. Das Magdeburger Y-Modell setzt dieses Prinzip sehr prominent in seinen zwei Masterstudiengängen Interaction Design und Engineering Design fort«, so Prof. Christine Strothotte. »Das Interaction Design konzentriert sich auf die modernen Industrieprodukte, die für ihre Mikrochips Software benö­tigen, und es denkt noch weiter, indem es nicht beim Produkt stehen bleibt, son­dern immer auch die Einbettung in ein kom­plexes Service-Sze­nario entwickelt.«

Die Erstellung von Inhalten rückt, neben den zu gestaltenden Technologien, immer mehr in das Aufgabengebiet des Interaction Design. Stark engagiert ist hier beispielsweise die Film­akademie Baden-Württemberg in der Produktion von 360-Grad-Content im Bereich Film, Games und Kom­mu­nikation. Florian Mühlegg erhielt einen Bachelor in Informatik und Multimedia der Universität Augsburg und studierte dann anschließend an der Filmakademie. Heute ist er Redak­teur für elektronische Lernprodukte und betreut die umfangreichen Inhalte und Entwicklungen von neuen crossmedialen Spielideen.

Auch die Wirtschaftswissenschaften erkennen zunehmend das Wertschöpfungspotenzial des Interaction Design. Die Fachhochschule Hof bietet ab dem nächsten Wintersemes­­ter einen neuen Studiengang an, wie Prof. Torsten Stapelkamp berichtet: »Unser Studiengang Mediendesign ist ganz bewusst Teil der Wirtschaftsfakultät, weil in den existierenden De­signstudiengängen mit Blick auf Führungskompetenz, Wirtschaftlichkeit, Selbstmanagement und kreative Strategieplanung nicht ausreichend ausgebildet wird.«

Eine Kombination von Berufsausbildung und Studium offeriert die  Duale Hochschule Baden-Würt­tem­berg (DHBW) Ravensburg. Prof. Her­bert Moser erläutert die Zusammen­hän­ge:

»Unser Studienbereich ist hervorgegangen aus dem Wirtschafts­studiengang Medien- und Kommu­nika­tionswirtschaft. Er ist quasi die Ergänzung oder die Kreativschmiede zur Marketingsektion. Interaktion ist durchaus mehrdimen­sional zu ver­stehen – im Sinne von Handlungskompetenz, ob fachlich, methodisch oder auch sozial. Den Bio­grafien unserer Absolventen nach zu urteilen, erleichtert dies auch den Weg in die Führungsebene.«

Auch im Bereich Game Design gibt es inzwischen beachtenswerte Studienangebote, denn Spiele bieten Interaktion und Narration in hoher Intensität. In Köln startet zum kommenden Wintersemester der neue Masterstudiengang Game Design am Cologne Game Lab in Kooperation mit der internationalen filmschule (ifs) Köln. Im Zentrum steht die kreative Auseinandersetzung mit den Bereichen Konzeption, Game Design, Autorschaft und audiovisuelle Gestaltung. Weiterhin sollen innovative Erzähl­forma­te und Interaktionsschnittstellen entwickelt werden.

Über einen ganz ähnlichen Fokus verfügt die Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig bei der universitären Ausbildung. Zusätzlich bietet sie den Absolventen der privaten Berliner Games Academy an, nach erfolgreichem Abschluss dort einen Bachelor-Abschluss in den Bereichen Game Design an der HBK oder auch in Verbindung mit den Informatikern der Fachhochschule Braunschweig im Ga­me Development zu machen – ein Indiz für die gute Kooperation der Hoch­schulen und Akademien, um auf die veränderte Medienlandschaft zu re­agieren und Studierenden optimale Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten.

Neben den virtuellen Umgebun­gen im Game Design ist ein hochspan­nender Wirkungsbereich für Inter­ac­tion Designer die Gestaltung realer Räu­me. Bereits 2003 gründete Peter Higgins am Central Saint Martins Col­lege in London den Master­studien­gang Narrative Environments. Seit­her gibt es auch in Deutschland Hochschulen, die sich dem Thema widmen. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim ergreifen die Studierenden die Gelegenheit, Inhal­te des Interaction Design mit raumspezifischen sowie szenografischen Lehr­angeboten zu kombinieren. Dadurch entwickeln sie ganz neue und eigene Profile, die etwa im wachsenden Markt interaktiver Ausstellungen und dreidimensionaler Markenführung benötigt werden.

Hinzu kommen ganz neue Möglichkeiten des Studiums durch die geschickte Kombination von Bache­lor- und Masterstudiengängen an verschiedenen Hochschulen. Das erlaubt etwa die Fokussierung auf digitale De­sign-Technologien im Bachelorstu­dium mit einem anschließenden Masterstudiengang Gestaltung. Soll heißen: Die Studierenden begreifen in der Bachelorphase Technologie als ge­stalterisches Werkzeug, das sie dann im Masterstudium als wichtige Kompetenz innerhalb eines Designteams einbringen und weiterentwickeln kön­nen. Hier entwerfen sie gemeinsam neue interaktive Produkte. Ein weiteres Beispiel wäre ein Bachelorstudium mit Schwerpunkt im Interface De­sign mit anschließender Erweiterung in einem Masterstudiengang mit designstrategischer Ausrichtung. Auf diese Weise bereiten sich die Studierenden optimal auf eine Karriere im Bereich der Entwicklung webbasierter Applikationen vor. Der Bolog­na-Prozess erleichtert außerdem ein weiterführendes Studium an auslän­di­schen Hochschulen. Und ein Studium in einem anderen Land vertieft zu­sätzlich so­ziale und kultu­­rel­le Kompetenzen, die in einem glo­ba­lisierten Markt unabdingbar geworden sind.

 


Was sagen die Absolventen?

Was war der Grund für dich, nach Berlin zu gehen? Anfangs habe ich Kommunikationsgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd studiert und wechselte nach vier Semestern an die UdK Berlin. Ich kam schon vor dem Studium eher aus einer technischen Ecke. In Gmünd war ich mit den Hardware- oder Elektronikprojekten, die ich gemacht habe, immer recht alleine.

Bei der UdK denkt man zunächst an ein künstlerisches Studium und nicht an ein technisches. Das stimmt, aber mir lag schon immer auch das autodidaktische Arbeiten. Besonders spannend finde ich an der UdK, dass Leute mit unterschiedlichem Background ein Thema gemeinsam angehen.

Was ist für dich in unserem Gewerbe State of the Art? Im derzeitigen Interface- und Interaction Design betrachtet man immer noch eher den Bildschirm oder das Gerät als Medium. Aber eigentlich ist das Medium ja das Verhalten des Nutzers, der betroffenen Gruppe oder einer gesamten Gesellschaft.

Benjamin Maus studiert an der Uni­versität der Künste (UdK) Berlin, Digitale Klasse, Prof. Joachim Sauter. Zum Zeitpunkt des Interviews war er in Japan und arbeitete an der Universität Tokio als Laborassistent im Bereich Ingenieurwesen.


 

Die vielfältigen Angebote an Hochschulen und Akademien bieten die Chance, ein Studium optimal zu planen und auszugestalten. David Paschke, Student an der Hochschule Mag­deburg-Stendal (FH), gibt dazu einige Tipps: »Es hilft, sich vor der Bewerbung im Klaren zu sein, ob das Design von Hardware, das Graphical User Interface oder Softwareprogrammierung das Ziel sein könnte. Dann folgt eine Recherche über die angebotenen Studiengänge und deren Relevanz. Anschließend sollte man sich unbedingt an den Ort des Geschehens begeben, mit Lehrenden und Studierenden sprechen und offene Punkte klären: Werden hier die Inhalte vermittelt, die mich interessieren? Würde ich mich hier wohlfühlen, und kann ich hier gut arbeiten? Wie ist die jeweilige Ausstattung der Hochschule? So ein Besuch – das Einfangen der Atmosphäre – hilft ungemein bei der Entscheidungsfindung!«

Beinahe alle Hochschulen berichten über ein sehr gutes Feedback vom Arbeitsmarkt und über eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. Dr. Wilhelm Burger von der Fachhochschule Hagenberg weist an dieser Stelle auf eine Besonderheit bei unseren Nachbarn hin:

»Der österreichische Arbeitsmarktservice registriert die Aus­bil­dungsverhältnisse von Einzelperso­nen, sodass zum Beispiel die aktuelle Zahl von Arbeitslosen aus einem bestimmten Studiengang jederzeit ermittelt werden kann.«

Über ein solches Tool verfügt der deutsche Arbeitsmarkt bislang noch nicht. Dafür aber stehen viele Hochschulen in sehr engem Kontakt mit Ehemaligen, die aus den Agenturen zurück an ihre Hochschulen funken. Und darüber hi­naus kehren viele ehemalige Studenten an die Institutionen zurück, um als Referenten oder Dozenten zu lehren und ihre Erfahrung in die Studieninhalte einzubringen.

Das Interaction Design bietet ei­ne Win-Win-Win-Chance: Die Agentu­ren reagieren auf aktuelle Anforderungen der Märkte und der Auftraggeber, um anschließend mit neuen Ideen agieren zu können. Die Hochschulen erweitern ihr Angebot um eine wichtige und zukunftsgerichte­te Kompetenz. Und den talentierten Nachwuchs erwarten letztlich gute Arbeitsplätze sowie die Möglichkeit, die Welt aktiv ein kleines Stückchen weiterzubringen.

Dieser Artikel stammt aus WEAVE 03.2010 (Mai 2010)





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