In die Tüte gesprochen: Wie lange wärmt das Feuer auf dem Flatscreen?

»Tatsächlich ist das Motel One-Konzept das Beispiel eines erfolgreichen Downgradings« – PAGE-Kolumne von Christian Prill, Partner Brand Strategy bei Factor …



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Jetzt ist die Hotelkette Motel One mit dem Deutschen Marketingpreis ausgezeichnet worden. Eine Anerkennung dafür, dass Motel One offensichtlich alles richtig gemacht hat im harten Wettbewerb der Hotellerie. Schluss mit Knick im Kissen und Strukturtapete, schluss auch mit Minibar und leerem Schwimmbad. Statt dessen überall türkis-braune Ensembles aus Arne Jacobsens Egg Chairs, Lagerfeuer-Flatscreen und Artemide-Leuchten. Und das auch noch zum Gasthof-Preis.

Tatsächlich ist das Motel One-Konzept das Beispiel eines erfolgreichen Downgradings, das die gesamte Reiseindustrie betrifft und das noch längst nicht abgeschlossen scheint. Wer auch nur gelegentlich fliegt, weiß das nur zu gut. Die Mehrzahl der Reisenden hat sich daran gewöhnt, ein amorpher Teil in einem effizienzgetriebenen Betriebsablauf zu sein, in dem es darauf ankommt, möglichst nicht zu stören.

»Tatsächlich ist das Motel One-Konzept das Beispiel eines erfolgreichen Downgradings«

An jedem Flughafen wird das beim Durchlaufen der Procederes bis zum Einsteigen ins Flugzeug besonders sichtbar. Wenn die Oberflächen stimmen, sind die meisten Menschen bereit, dieser Strategie zu folgen und sie gut zu finden. Das ist Motel One auch mithilfe der eingesetzten Design-Ikonen, die die Mittelschicht mag, mehr als gut geglückt.

Doch was macht Motel One eigentlich in 10 Jahren? Ist dann der Maritim-Effekt da? Also ein Marken-Gefühl von Aus-der-Zeit-Gefallen-sein, wenn man das Haus betritt? Wo Hotelangestellte aussehen, als hätte ein unaufmerksamer Film-Ausstatter vergessen, die zeitgemäßen Brillen und Haarschnitte in die unmoderne Kulisse einzupassen?

Ich bin gespannt, wie das gelöst wird. Gut hat es da ein Dienstleister wie Airbnb. Wer nur vermittelt, der kann darauf vertrauen, dass die Kunden immer dafür Sorge tragen, den Zeitgeschmack gleich selbst umzusetzen, also in die Wohnungen reinzustellen. Und das auch noch selbst vorzufinanzieren. Nirgendwo sonst treffen in der Reiseindustrie die ungleichen Geschwister industrielle Effizienz und private Liebenswürdigkeit in dieser Weise aufeinander.


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Über den Autor

Christian Prill ist Partner Brand Strategy bei Factor. Er entwickelt seit vielen Jahren Konzepte, um Marken zu stärken.




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