Diese Skills braucht man für gute Präsentationen

Überzeugungskraft, Präsenz, Selbstbewusstsein, … Diese und mehr Skills sollten Sie trainieren. Plus: Tipps von Präsentations-Profi Markus Oelsner von Jung von Matt.



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Gut gestalten zu können, reicht nicht. Wer als Designer Erfolg haben will, braucht auch unternehmerische und soziale Kompetenzen. Hier erklären wir, auf welche Skills es beim Präsentieren besonders ankommt. Unsere Tipps für Gehalts- und Honorarverhandlungen, Teamführung, Betriebswirtschaft, Auftragsakquise etc. lesen Sie in PAGE 3.16, die Sie hier bestellen oder am Kiosk kaufen können.

Ein Präsentator muss sattelfest sein. Ablesen ist nicht

Vor Kunden zu präsentieren, gehört zum Arbeits­alltag von Kreativen. Viele tun sich allerdings gerade am Anfang schwer damit. Da hilft nur Üben – und ei­ne gute Vorbereitung. »Ein Präsentator muss sattelfest sein. Ablesen ist nicht«, sagt Markus Oelsner, Chef Planner bei Jung von Matt in Hamburg. Bei derWerbeagentur tragen sämtliche beteiligte Gewerke zur Präsentation bei, aber der Beste stellt sich auf die Büh­ne. »Es ist ein Fehler, hier nach Hierarchie vorzugehen. Es sollte immer derjenige vortragen, der sich am besten mit dem Thema auskennt und die beste Außenwirkung hat.«

Das ist eine der »9 Rules to Rule«, die Oelsner für die Agentur erstellt hat. Eine weite­re ist, dass jede einzelne Präsentation maßge­schnei­dert sein muss – für den Auftraggeber, den Anlass und das Au­ditorium. Schablonenartige Vorträge lang­weilen nicht nur, sondern werden vom Kunden als unengagiert und nicht sehr überzeugend empfunden.

Viel Hirnschmalz in die Vorarbeit stecken

Viel besser fährt man mit einer Geschichte inklusive Spannungsbogen, Klimax und überraschender Wendung. Dafür muss man viel Hirnschmalz in die Vorarbeit stecken. Markus Oelsner schreibt für jede Präsentation einen Leitfaden, der im Team besprochen wird und an dem sich die maximal 40 Slides orientieren. Diese gestaltet Jung von Matt wie Printanzeigen: aussagekräftiges Visual und eine knackige Textzeile. Provokante Bilder, Audioeinspieler, Film­ausschnitte, haptische Poster et cetera sowie eine abwechslungsreiche Gestaltung helfen dabei, die Zuhörer bei der Stange zu halten.

Als Eisbrecher empfiehlt Oelsner eine persönliche Anekdote – etwa die erste eigene Erfahrung mit dem Produkt des Kunden. Außerdem sollte man sich unbedingt vorab erkundigen, vor wem man präsentiert und sich darauf einstellen. Ist es ein junger Marketingleiter, der kreativ inspiriert werden will? Oder der Konzernchef, der wenig Zeit hat und Flowcharts bevorzugt? Manchmal muss man sich auch einem bestimmten Dresscode anpassen. »Ein langjähriger Kunde unserer Agentur erwartet von uns, dass wir im Anzug erscheinen. Dabei geht es auch um Respekt gegenüber dem Kunden und dessen Gepflogenhei­ten. Bei Unternehmen aus der New Economy macht man sich mit Anzug und Krawatte dagegen eher lächerlich«, berichtet Oelsner.

Atmung, Körperspannung und die rich­tige Haltung

Neben den richtigen Inhalten ist die Präsenz im Auftreten sehr wichtig. »Körpersprache und Mimik werden oft vernachlässigt«, warnt Deva Tamminga, die unter dem Motto »Wanna be present?« sogenann­te Präsenztrainings anbietet. »Passen inhaltliche Aus­sage und Körpersprache nicht zusammen, kommt es zu Irritationen und das Gesagte wird automatisch hinterfragt.« Atmung, Körperspannung und die rich­tige Haltung spielen in ihren Workshops eine große Rolle. Ein allgemeiner Regelkanon (»Bloß nicht die Arme hinterm Rücken verschränken«) schadet laut Deva Tamminga aber mehr, als dass er hilft. Stattdessen sollte man sich selbst bewusst wahrnehmen und konstruktiv mit den eigenen Möglichkeiten und Eigenheiten arbeiten. Nur so bleibt man authentisch und glaubwürdig.

Unabdingbar ist das Proben vorab – am besten vor Publikum. Je besser man eine Präsentation intus hat, desto besser ist man gegen Ablenkungen oder eine schlechte Tagesverfassung gewappnet. Da­nach sollte man eine Manöverkritik halten – ob im Team oder im Zwiegespräch mit sich selbst. Was war gut, was schlecht? So kann man sich Schritt für Schritt verbessern. 

»Standing Ovations sind selten – aber immer unser Ziel«

Als Chef Planner bei Jung von Matt hat Markus Oelsner schon unzählige Präsentationen gehalten:

»Ich präsentiere am besten, wenn ich sehr gut vor­ bereitet bin und frei spreche. Wenn ich einen vorgeschriebenen Text rezitieren will, verhasple ich mich oft und komme aus dem Konzept. Was man sagt, ist aber nicht alles: Ganz am Anfang habe ich in China eine Präsentation vor Nike gehalten – mit adidas-Schuhen an den Füßen. Dies wurde dann spontan unter dem Aspekt der Konkurrenzbeob­achtung in den Vortrag eingearbeitet und alle haben herzhaft gelacht. Einmal habe ich es erlebt, dass eine Präsentation den Kunden so gepackt hat, dass es Standing Ovations gab – inklusive feuchter Augen. Das war eine echte Benchmark und kommt sehr selten vor. Was aber nicht heißt, dass wir es nicht jedes Mal aufs Neue versuchen.«




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