Die Nordische Kunsthochschule und ihre NS-Vergangenheit

Die Vorgängerinstitution der heutigen Hochschule für Künste Bremen hat eine dunkle Vergangenheit. Einen exemplarischen Fall griff Lina Stahnke in ihrer Bachelor-Arbeit im Studiengang Integriertes Design auf.



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Wer war Kurt Elvers? Warum kam er 1944 an die Nordische Kunsthochschule? Wieso wurde er hingerichtet? Diese Fragen beantwortet Lina Stahnke in ihrer Bachelorarbeit »Neue Formen der Erinnerung – Erhalt und Vermittlung der NS-Vergangenheit am Beispiel des Denkmals« an der HfK Bremen. Die Arbeit umfasst neben einer Publikation auch eine Ausstellung. Zudem kann man ihre Ergebnisse unter erinnern.hfk-bremen.de nachgelesen.

Die Nordische Kunsthochschule (NKH) wurde im April 1934 gegründet – die einzige Neugründung einer Kunsthochschule während des Nationalsozialismus. Sie sollte die Rassenideologie der Nationalsozialisten in die Kunst übersetzen und »schöpfend aus dem Urgrunde deutschnordischen Volkstums mitarbeiten am Aufbau arteigener Kultur im Sinne Adolf Hitlers«, wie es in Stahnkes Arbeit heißt. Seit 1988 firmiert die Schule als HfK Bremen.

Die NS-Vergangenheit der Hochschule war lange kein Thema – bis der Historiker Hans Hesse 2009 eine Auseinandersetzung damit anstieß. 2011 veranstaltete die HfK ein Symposium, bei dem erste Fragestellungen und die Richtung einer wissenschaftlichen Erforschung entwickelt wurden. 2012 beauftragte die HfK Die Historikerin Susen Krüger-Saß mit einem Überblick über die Geschichte der NKH. Das 700 Seiten starke Ergebnis kann seit April 2015 in der HfK-Bibliothek eingesehen werden.

Als ein Beispiel aus der Zeit griff Lina Stahnke den Studenten Kurt Elvers heraus, der aufgrund seiner Zweifel am Endsieg im Februar 1945 hingerichtet wurde. Das von seinem Vater nach dem Krieg initiierte Entnazifizierungsverfahren brachte keine Ergebnisse. Sowohl die Kommilitonen als auch die Direktion der NKH beriefen sich auf ihre »Pflicht als Deutsche«.

Lina Stahnke gelingt mit ihrer Arbeit ein emotionaler Einblick in das gefährliche Leben eines Kunststudenten, der seine Meinung sagte – in einer Zeit, in der das nicht gern gesehen war und bis aufs Äußerste bestraft wurde. Damit unterstützt sie die weitere Aufklärung der NS-Vergangenheit der Kunsthochschule.




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Ein Kommentar


  1. Gertrud Julia Kothe de Carapeto

    1. Kurt Elwers traurige Geschichte ist schon 100e Male von allen Seiten beleuchtet worden (Herr Hans Hesse lebt davon!!!) und erfasst in keinster Weise das reale Geschehen an der Nordischen Kunsthochschule Bremen 1934-1945!

    2. Die Nordische Kunsthochschule Bremen (1934-1945) hat wegen des Beispiels KURT ELWERS (2 Monate 1944 Studium; traurige Hinrichtung 1945) keine dunklere Vergangenheit – wie dauernd genannt – als alle anderen gleichgeschalteten Einrichtungen, Institutionen der NAZI-ZEIT in ganz Deutschland.

    3. Die KUNST-Historikerin Dr. Susen Krüger-Sass hat eine 700seitige CHRONOLOGIE der Ereignisse um die HFK Bremen während der Nazi-Zeit in 3 Jahren verfasst, jedoch keine objektive Einordnung geben können, die es einer historischen Betrachtung bedarf.


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