Bewerbungsmappen: Das erwarten Personalleiter und Kreativchefs

Bewerbungsmappen – wie sollen sie sein? Ausgeflippt oder doch lieber nüchtern und aufgeräumt? Wir haben nachgefragt, was sich Personalentscheider wünschen.



 

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Jennifer Mc Lain, Head of HR bei superreal

In PAGE 9.2015 haben wir Experten aus den Sparten Markendesign, Branding, CI/CD und Digital gefragt, was sie von Bewerbungsmappen erwarten, welche Mappen sie überrascht haben und wie das Anschreiben formuliert sein sollte. Das Heft können Sie hier bestellen oder herunterladen.

Hier haben wir weitere Statements versammelt:

superreal
Digitalagentur, Hamburg
Jennifer Mc Lain, Head of HR

Was sind Ihre Präferenzen bei Bewerbungsmappen: Kreativ oder pragmatisch?
So pauschal kann man das nicht sagen – das Portfolio muss an sich Sinn machen und schlüssig aufgebaut sein. Wenn es dabei auch noch kreativ ist umso besser, ist aber kein Muss. Ebenso sollte man nicht nur Screenshots zeigen, sondern gut aufbereitete Anwendungsbeispiele, etwa in einem Device, eine Responsive-Übersicht oder gut ausgewählte Ausschnitte. Das zeigt uns, wie jemand gestaltet und – das ist besonders für Senior-Positionen wichtig – wie jemand Gestaltung präsentiert. Bei großen Projekten ist auch ein Blick auf die Arbeitsweise interessant: Bei Logos zum Beispiel Scribbles und Varianten und bei Interface-Projekten Elemente wie Raster, Styleguides oder selbst entwickelte Iconsets. Wenn die Arbeiten verlinkt sind, und man sich die Umsetzung im Netz ansehen kann, ist das auch immer ein Pluspunkt.

Analog oder Digital?
Da wir in einer Online-Agentur arbeiten macht es Sinn, ein Online-Portfolio zu zeigen. Das Portfolio selbst zeigt ja, was der Bewerber in Sachen Interface Design zu bieten hat. Hat die Person schon viel Printerfahrung, ist es sicherlich interessant, beim Bewerbungsgespräch analoge Arbeitsproben zu zeigen.

Worauf achten Sie beim Anschreiben? Was sollte man hier lieber nicht machen?
Anschreiben sollten individuell auf die Agentur zugeschnitten und möglichst kurz und knackig geschrieben sein. Ich persönlich schaue mir ziemlich schnell das Portfolio an und verweile nicht lange beim Anschreiben.

 

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Yours Truly
Digitale Kreativagentur, Hamburg
Christina Griese, Director HR (siehe Foto oben)

Was sind Ihre Präferenzen bei Bewerbungsmappen: Kreativ oder pragmatisch?
Ein Portfolio muss sofort begeistern – und zwar mit klarem Design, gutem Aufbau, nachvollziehbaren eigenen Leistungen und begeisternden Ideen. Kreativität und Pragmatismus schließen sich da nicht aus.

Analog oder Digital?
Wenn man sich bei einer Digitalagentur bewirbt, sollte auch die Bewerbung digital sein. Eine einfache Website mit den Arbeiten und eine kurze Erklärung, wie die jeweilige Aufgabenstellung war und an welchem Teil der Lösung man maßgeblich beteiligt war, ist schon die halbe Miete. Wenn man dann noch ein bisschen was über die Person und ihre Denke erfährt, dann ist das für mich ein gelungenes Portfolio. Es soll Lust auf ein persönliches Kennenlernen machen.

Was war die ungewöhnlichste Mappe, die Sie je erhalten haben?
Die Tatsache, dass mir nicht sofort ein Beispiel einfällt, zeichnet vielleicht schon die Antwort vor: Außergewöhnliche Dinge sind selten. Sonst wären sie ja auch nicht außergewöhnlich. Bei Bewerbungen sind sie noch seltener. Da geht es um sehr viel für den Bewerber und er möchte nichts riskieren. Das verstehe ich und im Zweifel würde ich immer eine saubere, stringente Bewerbung einer extremen, die oft im Fail enden kann, vorziehen. Aber das Schöne an unserer Kreativ-Branche ist doch, dass wir alle Möglichkeiten haben uns auszudrücken. Ist sie nicht genau deswegen attraktiver für uns als die Branchen, in denen uns unsere Eltern viel lieber gesehen hätten? Nutzen wir doch diese Freiheit – die fängt ja schon bei der Bewerbung an!

Worauf achten Sie beim Anschreiben? Was sollte man hier lieber nicht machen?
Das Anschreiben ist das Erste, was ich von einer Bewerbung lese. Hier beschreibt mir der Bewerber, warum er sich bei uns bewirbt und stellt sich mir vor. Es ist der erste Eindruck – genau wie beim persönlichen Kennenlernen die Begrüßung. Und es ist die Möglichkeit, Persönlichkeit mit in die Bewerbung einfließen zu lassen. Das gilt zum Beispiel für Projektmanager, die sonst nur Zeugnisse und ihren Lebenslauf (und kein Portfolio) zeigen können. Bei Kreativen ist mir das Anschreiben ehrlich gesagt nicht ganz so wichtig und ist sowieso eher die Ausnahme. Generell sollte man auf Standards, wie Rechtschreibung, die korrekte Agentur und den korrekten Ansprechpartner achten. Das klingt selbstverständlich, ist es aber leider nicht.

 

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Strichpunkt
Designagentur, Stuttgart und Berlin
Kirsten Dietz, Geschäftsführerin


Was sind Ihre Präferenzen bei Bewerbungsmappen: Kreativ oder pragmatisch?
Kreativ und pragmatisch! Ich möchte Persönlichkeit und Fakten.

Analog oder Digital?
Digital.

Erinnern Sie sich an die ungewöhnlichste Mappe, die Sie je erhalten haben?
Das war ein Film eines Bewerbers, in dem Freunde ihn und sein Umfeld humorvoll und unkompliziert beschrieben haben.

Was ist Ihnen beim Anschreiben wichtig? Was sollte man hier lieber nicht machen?
Gut ist ein individuelles Anschreiben mit Erläuterung der Gründe, warum ein Wechsel gemacht wird und warum derjenige zu uns möchte. Was gar nicht geht, sind Standardanschreiben mit Serienbriefcharakter oder die falsche Agentur im Anschreiben.

 

AlexandraHaibach

Scholz & Volkmer
Digitalagentur, Wiesbaden und Berlin
Alexandra Haibach, Human Resources Management

Wie haben Sie Bewerbungsmappen lieber: Kreativ oder pragmatisch?
Es hängt ganz stark von der Position ab, auf die sich Kandidaten bewerben. Kreativ und unkonventionell setzen wir bei einem Designer oder Concepter voraus. Der Controller oder Senior Accounter darf gerne pragmatisch und auf den Punkt sein.

Analog oder Digital?
Als Agentur für digitale Markenführung in jedem Fall bitte digital.

Was war die ungewöhnlichste Mappe, die Sie je erhalten haben? War sie gut oder schlecht?
Die ungewöhnlichste Mappe, die ich je erhalten habe, war die einer Office Managerin. Von Kreativen ist man gewohnt, dass sie außergewöhnliche Mappen erstellen, doch diese kam in einer Box mit Federn, Glitzerstaub und Zauberstab daher. Da sie sich nicht als Office Managerin, sondern vielmehr als gute Fee bewarb, war ihre Bewerbung entsprechend aufbereitet (siehe oben). Jetzt könnte man sagen, dass es recht verspielt und eher zuviel des Guten daherkam. Ja vielleicht und doch traf es den Nagel auf den Kopf. Uns hat’s überzeugt – sie ist seit Juni 2008 bei uns.

Worauf achten Sie beim Anschreiben? Was sollte man hier lieber nicht machen?
Als erstes natürlich, ob die richtige Firma und der richtige Ansprechpartner draufstehen. Leider ist das nicht immer selbstverständlich. In den meisten Fällen weise ich die Kandidaten sogar noch freundlich darauf hin. Aber abgesehen davon, achte ich darauf, ob der Kandidat m/w mich neugierig macht. Möchte ich mehr über ihn erfahren? Macht er mich neugierig? Das Anschreiben vermittelt mir ein erstes Gefühl, ob es passen kann oder nicht. In jedem Fall sollte es nicht länger als eine Seite sein. Bei Bewerbungen aus der Kreation erhalten wir zum Teil gar keine Anschreiben. Hier kommt es in erster Linie auf das Portfolio an. Bei Kollegen aus dem Beratungsumfeld schaut es etwas anders aus. Hier werde ich oft gefragt, ob der Kandidat denn kein Anschreiben oder Motivationsschreiben geschickt hätte.

Wieso haben Sie diese Mappe als herausragendes Beispiel ausgewählt?
Hier hat sich jemand wirklich Gedanken darum gemacht, wo er sich bewirbt und die komplette Bewerbung darauf abgestimmt. Wir erhalten viele sehr gute Bewerbungen, aber solche sind zugegebenermaßen nicht an der Tagesordnung und deshalb schöne Highlights, die in Erinnerung bleiben.

 

Meiré und Meiré
Designagentur, Köln und Berlin
Tim Giesen, Creative Director

Kreativ oder pragmatisch?
Ist mir im ersten Schritt ziemlich egal. Es muss „Klick“ machen. Danach kommt die Frage in welchem Bereich die Person sich am Besten entwickeln kann bzw. sich wohl fühlt.

Digital oder analog?
Im ersten Schritt digital – am Besten nicht zuviel. Dann – bei einem persönlichen Gespräch natürlich analog.

Was war »deine« ungewöhnlichste Mappe?
Kann mich an keine erinnern. Zuviele.

Was kann man beim Anschreiben falsch machen?
Meinen Namen oder den Namen der Firma falsch schreiben. Generell Rechtschreibfehler beziehungsweise typografische Supergaus sollte man vermeiden.


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Lesen Sie mehr Statements von Kreativchefs und Personalentscheidern zum Thema »Bewerbungsmappen« in PAGE 09.2015!

 




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