ADC Kongress 2014: Gutenberg und Kodak

Das zweite Mal hat der ADC seine Zelte im Hamburger Oberhafenquartier aufgeschlagen und die Republik Neuland ausgerufen. Beim Kongresstag am Donnerstag gab es mehr Rück- als Ausblicke.



„Die Deutschen sind die einzigen Menschen, die noch CDs kaufen und dafür in bar bezahlen“: Immer wieder flocht Rockstar und Philosoph Alexander Bard kleine Sticheleien gegen die angeblich so konservativen Deutschen in seinen Vortrag mit ein. Für Zukunftstrends müsse man stattdessen nach Korea gucken: Was die 17-Jährigen dort treiben, werden wir in fünf Jahren auch machen – so Bards These. 

In seinem eigenen Vortrag auf dem ADC Kongress bot er allerdings auch keinen Ausblick in die Zukunft, sondern lieferte vielmehr eine – sehr amüsante – Geschichtsstunde ab, inklusive Tafel und wüster Kreide-Schmiererei: angefangen mit der Bibel über Gutenbergs Druckpresse (die uns noch in weiteren Vorträgen begegnen sollte) hin zum Smartphone, ohne das heutige 20-Jährige keine menschlichen Wesen seien. Bards Fazit: „Technik macht, was sie will – und nicht das, was die Ingenieure damit bezwecken.“ 

Am Nachmittag hielt Rei Inamoto, Chief Creative Officer von AKQA, ein Plädoyer für das Scheitern als universales Wesensmerkmal der menschlichen Existenz. Auch er begann seinen Vortrag mit einem kurzen Abriss der Geschichte der Werbung – und setzte bei Bibel und Gutenberg an.

Nach einem verwirrenden Exkurs darüber, was ein Pferdehintern und ein Space Shuttle gemeinsam haben, landete er schließlich bei seinem Kernthema: Art & Code. Die klassische Kombination von Art & Copy wurde abgelöst, Geschichten werden heute in Code geschrieben – so Inamotos Aussage. Dementsprechend sind Agenturen zunehmend auf der Suche nach Kreativen, die gleichzeitig denken und umsetzen können. Die Zukunft gehört den Makern.

Neben Gutenberg fiel ein weiterer Name in den Vorträgen immer wieder: Kodak. Der Konzern ist mittlerweile ein Paradebeispiel für ein gescheitertes Traditionsunternehmen, das von der Digitalisierung überrollt wurde. Das Beispiel mag seinen Zweck als Warnung erfüllen – aber mittlerweile wird es eindeutig überstrapaziert.

Sehenswert ist wie in jedem Jahr die umfangreiche Ausstellung aller eingereichten Arbeiten. Sie läuft noch bis 17. Mai (Eintritt 15 Euro). Unser Tipp: warm anziehen, in der offenen Ausstellungshalle zieht es ganz schön!

Die Ausstellung ist wieder in der alten Güterbahnhofshalle




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