Wie arbeite ich? Was inspiriert mich? Die Pictoplasma 2017

Entdeckungen, Ikonen – und umwerfende Inspiration: Ein Best-of an Illustratoren, Animationskünstlern und Character-Designer hat auf der Pictoplasma 17 gezeigt wie sie arbeiten, woher ihre Ideen stammen und ihr Stil. Und dann gab es auch einen tränenreichen Heiratsantrag …



Es scheint Teil des Briefings gewesen zu sein, dass die Illustratoren, Character-Designer und Animationskünstler der diesjährigen Pictoplasma Conference beim Vorstellen ihrer Arbeit besonders darauf eingehen, was sie inspiriert – und wie sie arbeiten.

Und das war so vielfältig wie spannend.

Während Mate Steinforth von Sehsucht, der auch den diesjährigen Pictoplasma Opener drehte, davon erzählte, wie er versucht mit Ideen zu spielen, sie nicht zu forcieren und seinen kritischen Geist auszuschalten, erklärte er zudem, wie sein Arbeitsprozess aussieht – und zwar jedes Mal:

Folgt auf einen Auftrag und das Adrenalin, was damit einhergeht, Euphorie und Stolz, steigt er bald darauf ins »Tal des Zweifelns« ab, ist überzeugt, dass nichts funktioniert und er ein Versager ist. Daraus hinaus führt einzig eine »schmerzhafte Erholungsphase«, in der sich langsam alles zusammenfügt und schließlich in der glücklichen Abgabe mündet.

Die dänische Illustratorin Louise Rosenkrands hingegen, die als Miss Lotion Modestrecken in knallbunte Maskeraden verwandelt und Kopenhagen in einen Schilderwald, bricht ihre Briefings jeweils in eine Liste von Stichpunkten herunter. Teenager, Bier, Achselhaare und Verhütungsmittel steht dann da zum Beispiel. Und am Ende sind alle diese Dinge in ihrer Illustration zu sehen.

Der junge Illustrator und 3D Animator Jack Sachs wiederum, der fröhliche Figuren durch die Tate Britain hüpfen, rollen und flattern lässt (Abb. oben), Bananen zum Sonnen an den Strand legt und Filme über Hammer, Bohrer und Sägen dreht, führt auf, was er gerne schon gewusst hätte als er von der Uni kam:
Dass man Leute, für die man unbedingt arbeiten möchte, einfach anmailen sollte und ihnen sein Portfolio schicken.
Dass man neben seiner professionellen Arbeit aus reiner Selbstliebe immer auch an eigenen Projekten arbeiten sollte – und, dass man auf Enttäuschungen gefasst sein muss.

Wie er nach einer Reihe von Spots, die er für Spotify machte und Monate vergeblich auf deren Veröffentlichung wartete. Heute sind die Wunderwerke auf seiner Website zu sehen.

Nachdem Jack Sachs wegen einer schweren Handverletzung während seines Studiums zur 3D Animation kam, gehört er gerade zu den größten Talenten und arbeitet – in Zeiten in denen Editorial Illustrationen weniger werden – oft auch online und dass z.B. für die New York Times.

Für Sophie Koko Gate, die schon mit ihren Abschlussfilm »Half Wet« am Royal College of Art Erfolge feierte, ist Inspiration Familiensache. Ob das die abstrakten Skulpturen ihres Großvaters sind oder die Malereien ihrer Geschwister, die schon als Knirpse zu Weihnachten Poträts der Oma mit blauem Auge krakelten, und mit denen sie sich bis heute austauscht. Mittlerweile animiert sie u.a. für Lena Dunham (»Straight White Men«) und ist in ihren Arbeiten immer auf der Suche nach dem »funny feeling without actually being funny«.

Die Milkshake-Vulkane und Pommesbäume der legendären McDonaldland-Spots aus den 1970ern bringen den britischen Illustrator Rob Flowers auf Ideen, genauso wie seine große Toy-Sammlung, die von Hulk Hogan zu Potato Head reicht und mythisch aufgeladene Folklore und das alles fließt dann in seine überbordenden Bilder ein.

Zum Schluss schließlich erzählte Sean Charmatz aus Los Angeles, der genauso bekannt für seine Arbeit als Writer und Animator für Spongebob und andere Disney- und Dreamworx-Produktionen ist wie für seine »Explorations« auf Instagram, in denen er ausgelaufene Milkshakes, weggeworfene Plastikhandschuhe oder verbogene Geländer mit wenigen Strichen in kleine Figuren verwandelt und mit ihnen Geschichten erzählt, die Tausende liken und kommentieren.

So packend wie seine Arbeiten war auch die Suche nach Charmatz. Da er nicht das geringste Interesse an Konferenzen neben der Pictoplasma hat und auch nicht an zusätzlichen Jobs, ist es nahezu unmöglich, ihn online kontaktieren. Nur durch großen Zufall konnten die Pictoplasma-Macher ihn aufspüren, bekamen umgehend Antwort und auf der Pictoplasma rührende Bekundungen, wie stolz er sei, hier sprechen zu dürfen.

Überall präsent aber war Kirsten Lepore in den letzten Monaten – und zwar seit sie ihren Dreiminüter »Hi Stranger« im März auf YouTube hochlud, er auf Facebook landete und das Netz im Sturm eroberte – mit Millionen Views, Fan-Portalen und Pressetrubel über die Bizarrheit des SMR Videos.


Auf ihren ursprünglichen YouTube-Post schaute niemand mehr und die Klicks kassierten andere. Was sie daraus gelernt hat, gab sie den Besuchern mit:

Ladet eure Videos selbst auf Facebook und Instagram hoch

Merch innerhalb der ersten Woche

Denkt über ein Watermarking eurer Arbeiten nach.

Ein packender Abschluss des Festivals, das nicht nur Sean Charmatz’ liebstes ist. Wer immer networken möchte, interessante Leute treffen, jede Menge Inspiration auf der Konferenz und dem Charakter Walk mit seinen 12 Ausstellungs-Stationen bekommen möchte, an zahlreichen Workshops teilnehmen und seine Projekte Vertretern wichtiger Studios pitchen möchte, der ist hier genau richtig.

Hands-on steckt die Pictoplasma voller Anregungen, ist immer ganz nah an den Arbeiten dran, nie an dem Hype interessiert, sondern immer an den Inhalten: Nach jedem morgendlichen Video-Screening werden die Artists vorgestellt und charmant befragt, nach jeder Lecture ist das Publikum mit dem Fragen dran. Immer geht es darum, auf Augenhöhe miteinander in Kontakt zu kommen – im Kinosaal und auf den Parties.

Und, ach ja, dann war da noch der Heiratsantrag, den der junge kanadische Artist Samuel Boucher seiner Freundin machte, mit Tränen in den Augen und nachdem er auf der Bühne seine fließenden, kunterbunten Characters und Games gezeigt hatte und deren technische Entstehung gleich mit. Kein besseren Ort als die Pictoplasma gäbe es dafür für ihn, lachte er, nachdem Jacinthe Ja gesagt hatte …

 

 

 

 

 

 

 


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