Tipps für Nachwuchs-Fotografen (4)

Im vierten Teil unserer Serie gibt Susanne Nagel, Chief Curation Officer bei thjink, eine Einschätzung zur Lage auf dem Fotografenmarkt.



Kürzlich hat in Hamburg wieder der WTSPRNG-Event stattgefunden, bei dem Art-Buyerinnen einiger der besten deutschen Agenturen junge Fotografen beraten. Wir haben hier über die Veranstaltung berichtet – aber auch noch Tipps für unsere Leser eingeholt. In einer kleinen Serie gibt es vier Donnerstage lang Ratschläge von Art-Buyerinnen. Die letzten Male waren Kerstin Mende, Alice Feja und Susanne Kastner-Linke dran, zum Schluss kommt Susanne Nagel von thjnk zu Wort. 

Der Fotografenmarkt ist sehr viel größer geworden. Nach meinem Empfinden leider etwas mehr in Bezug auf Quantität als auf Qualität.

Daraus resultiert ein stärkerer Wettbewerb unter den Fotografen. Das spornt viele an besser zu werden, mehr eine eigene Handschrift zu finden oder schlichtweg das fotografische Herz neu zu entdecken. Es führt aber teilweise auch dazu, dass Fotografen für Shootings Kampfpreise abgeben, bei denen man sich fragt, ob für sie am Ende wirklich eine schwarze Zahl übrig bleibt.

Jetzt könnte man denken, dass wir das bei uns in der Agentur gut finden. Um ehrlich zu sein – nein. Auch wenn wir dafür bekannt sind, Kosten sehr hart zu verhandeln: Qualität hat immer ihren Preis. Kampfpreise sind zudem der Tod jeglichen kreativen Freiraums und zerstören sukzessive die Marktpreise.

Nun werden viele sagen: »Die hat leicht reden, muss sie sich doch auch nicht zwischen so vielen Fotografen behaupten.« Das stimmt. Aber ich glaube fest daran, dass man nur eine Chance hat, sich von vielen abzusetzen, indem man schlichtweg besser ist als die anderen – nicht billiger (es gibt für mich einen großen Unterschied zwischen »billiger« und »günstiger«).

Besser darin, »den eigenen Stil zu finden«. Besser darin, »am Puls der Zeit zu sein«. Besser darin, »mutig zu sein«. Besser darin, »an sich zu glauben«. Das bedeutet auch, ständig gegen den Strom schwimmen zu müssen – anstrengend, aber macht Muckis. Das alles geht natürlich nur, wenn man seine eigene fotografische Arbeit wirklich liebt und damit zufrieden ist.

Alle, denen es so geht wie damals mir nach meiner Assistenzzeit – ich fand mich fotografisch nicht gut genug – sollten sich überlegen, ob das wirklich der richtige Beruf für sie ist. Denn halb gut ist eben nur halb gut. Und dafür ist die Branche zu hart umkämpft.

Wenn es aber der richtige Job ist, dann los.

Aber auch mit dem Wissen, dass Fotografie auf dem Markt heute kein Sologitarrist mehr ist und nie mehr sein wird. Man muss sich schon für mehrere Instrumente interessieren, die Brücke zu Bewegtbild schlagen wollen – und vor allem offen für alle technischen Weiterentwicklungen sein. Allerdings ohne zu meinen, dass die Technik am Ende alles richten wird.

Mich erschreckt die Häufigkeit, in der ich von Fotografen den Satz höre: »Das machen wir später in der Post.« Nicht weil ich auf einer »Wir-fotografieren-alles-in-einem-Schuss«-Nostalgiewelle surfe, sondern weil ich das Gefühl habe, dass das Wort Handwerk manchmal nur noch in 2-Punkt-Größe geschrieben wird. Aber es gibt zum Glück auch viele Fotografen, die tolle Sachen machen.

Viele, die schon sehr lange im Job sind und sich immer weiterentwickelt haben und viele junge Fotografen, die dabei sind, ihre eigene fotografische Handschrift zu finden. Und das ist das Wichtigste daran: sich davon auch nicht abbringen lassen.


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2 Kommentare


  1. vincent wohlfahrt

    danke für die worte. newcummer bin ich ja nun nicht mehr ;-), aber auch für leute, die seit jahren als learning by doing unterwegs sind, hebt es doch den ansporn, weiter zu machen.


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