Meisterhafter Zeichner

Den in Berlin lebenden Zeichner Felix Gephart sollte man kennen – nicht nur wegen seiner Zeichenkunst, sondern auch wegen der Ausdruckskraft und der starken Themen seiner Bilder. 



Den in Berlin lebenden Zeichner Felix Gephart sollte man kennen – nicht nur wegen seiner Zeichenkunst, sondern auch wegen der Ausdruckskraft und der starken Inhalte seiner Bilder. 

Gemütlich zurücklehnen ist meist nicht angesagt bei den meisterhaften Zeichnungen von Felix Gephart. Er arbeitet mit Leidenschaft, setzt sich mit harten Themen auseinander. Den wohl härtesten Stoff bearbeitete er in den Illustrationen zu Dalton Trumbos Antikriegsroman »Und Johnny zog in den Krieg«, den er letztes Jahr für den Berliner Verlag Onkel & Onkel illustrierte. In dem neuen Bildband »Felix Gephart. Brought into Line«, der jüngst beim Kunstverlag Kettler erschien, sind aber auch viele weitere Arbeiten zu sehen, die seit 2004 entstanden.

Darunter etwa seine Illustrationen zu dem Roman »American Psycho« von Bret Easton Ellis, bekanntlich eine gnadenlos ironische Abrechnung mit der Spezies der amerikanischen Yuppies, oder Zeichnungen, die auf einer China-Reise entstanden. Die meist ziemlich radikalen Wandbilder, die oft gemeinsam mit seinem Bruder Matthias Gephart entstehen, dürfen ebenfalls nicht fehlen. Bei disurbanity graphics, dem Designstudio des Bruders, entstand auch das Layout des Buches. 

Am 22. November um 19 Uhr gibt es einen Book Launch in der Berliner Urban Spree Galerie mit vielen großformatigen Originalen. 

 

Matthias Gephart und Carsten Roth (Hg.):

Brought into Line: 2004 /2012 Felix Gephart

240 Seiten, 23,5 x 31,5 cm, Hard Cover

29,90 Euro

978-3-86206_252-2

Verlag Kettler

 

Wir wollen an dieser Stelle nochmal ein Interview einfügen, das wir letztes Jahr für PAGE 09.2012 über Felix Gepharts Vorgehen bei der Arbeit für »Und Johnny zog in den Krieg« führten und das Einiges über den Ernst verrät, mit dem Gephart seine Themen durchdringt. 

Sie haben Dalton Trumbos Roman »Und Johnny zog in den Krieg« von 1939 neu illustriert, die Geschichte eines jungen Mannes, den eine Granate zum bewegungs- und sprachlosen Fleischklumpen macht. Wie hat die Lektüre auf Sie gewirkt?

 

Felix Gephart: Erschütternd. Aber über einen rein emotionalen Zugang kann man ein Buch nicht bebildern. Erst beim zweiten, analytischen Lesen habe ich über die praktische Umsetzung nachgedacht.

 

Was haben Sie noch zum Thema gelesen?

 

Unter anderem die »Geo-Epoche«-Hefte zum Ersten Weltkrieg, die hervorragend bebildert sind. Brigitte Hamanns kritisches »Der erste Weltkrieg« und die immer gestochen scharf illustrierten Geschichtsbücher aus dem englischen Verlag Dorling Kindersley. Erschreckend war, da ständig von »großer Tapferkeit« und »wahrem Heldenmut« zu lesen, der sich nur in Schmerz und Tod Ausdruck zu verschaffen mag. Auch Lob ist da zu lesen über Generäle wie Ludendorff, der sich später der NSDAP zuwandte, oder Hindenburg, der wie viele andere den totalen Militärstaat forderte, inklusive Wehrdienst vom 16. bis zum 60. Lebensjahr, übrigens auch für Frauen.

 

Eins der bahnbrechenden Bücher zum Ersten Weltkrieg ist ja »Three Soldiers« von John Dos Passos.

 

Erst wird der »Feind« in der Propaganda theoretisch entmenschlicht, dann wird er dementsprechend behandelt. Im Krieg zu töten ist letztlich Mord. Darum geht es unter anderem auch in »Three Soldiers«, das ich als Hörbuch gehört habe – wie oft während des Zeichnens. Dos Passos erzählt, wie schlechte Charaktereigenschaften sich im Krieg erst wirklich entfalten und gute in einer alles zertrampelnden Maschinerie zerstampft werden. Wie selbst ein überaus sensibler Musiker zu einem karrieregeilen Soldaten wird. Ein anderer amerikanischer Soldat ermordet einen rivalisierenden Kameraden aus der eigenen Einheit. Vom Töten des Gegners ist das im Zustand kriegerischer Abstumpfung wohl nur einen Schritt entfernt.




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