Fotoband: Berlin in den wilden Neunzigern

Kaum zu glauben, wie wild der Underground vor gerade mal zwanzig Jahren im heute so gesättigten Berlin-Mitte tobte. Der Fotoband »Berlin Wonderland« zeigt Bilder aus jenen abenteuerlichen Tagen. 



Kaum zu glauben, wie wild der Underground vor gerade mal zwanzig Jahren im heute so gesättigten Berlin-Mitte tobte. Der Fotoband »Berlin Wonderland« zeigt Bilder aus jenen abenteuerlichen Tagen. 

Die Situation, die sich nach dem Mauerfall in Berlin bot, war wohl weltweit einzigartig. Mitten in Europa tat sich eine Art Niemandsland auf und junge Leute aus aller Welt zögerten nicht, es als Experimentierfeld zu nutzen. Sie besetzten Häuser, die halbe Ruinen waren, funktionierten militärische Hinterlassenschaften in Kunstwerke um, eröffenten Clubs und Galerien.

Jede Menge Fotos aus dieser Zeit sind nun im Fotoband »Berlin Wonderland« zu sehen, herausgegeben von Anke Fesel und Chris Keller. Die beiden lernten sich 1993 im »IM Eimer« kennen, einem nach den Stasi-IMs benannten Underground-Club in der Rosenthaler Straße. Für das Buch befragten sie andere Protagonisten der Szene, so dass aus Fotos und Textschnipseln ein spannendes Bild dieses einmaligen Neuanfangs entsteht. 

Dass damals einiges anders lief, zeigt eine kleine Anekdote von Tontechniker Hardy Hartenberger, Gründungsmitglied der Elektronauten. Er erzählt, dass er 1993 einen Antrag auf einen Telefonanschluss stellte und erst 1996 dann den Bescheid bekam, das der Anschluss nun freigeschaltet sei. Würde bei heutigen Mitte-Berlinern wahrscheinlich zum Selbstmord führen.

Anke Fesel und Chris Keller betreiben inzwischen übrigens zusammen die äusserst empfehlenswerte Bildagentur bobsairport, die achtzig meist Berliner Fotografen vertritt. 

Berlin Wonderland. Wild Years Revisited, 1990–1996

Editors: Anke Fesel, Chris Keller / bobsairport 

240 Seiten 

978-3-89955-528-8

29,90 Euro

Gestalten Verlag

 

 

 

 

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