Falladas Roman »Der Trinker« als Graphic Novel

Im Interview erzählt Jakob Hinrichs von seiner Arbeit an der Graphic Novel von Falladas autobiografischem Trinker-Roman.



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 Der Berliner Illustrator Jakob Hinrichs legt seine zweite brilliante Graphic Novel nach einem berühmten literarischen Vorbild vor. Einblicke in die Entstehung gibt es hier im Interview.

Ihre erste, äusserst gelungene Graphic Novel war 2012 eine Umsetzung von Arthur Schnitzlers »Traumnovelle«. Jetzt folgt der stark autobiografische Roman »Der Trinker« von Hans Fallada. Wie kam es zu dem Projekt?

Jakob Hinrichs: Durch ein Gespräch mit Peter Graf von Metrolit, den ich auf der Buchmesse kennengelernt habe. Er hatte die Idee im Kopf. Wobei meine Graphic Novel letztlich eine Collage aus dem Roman, verschiedenen anderen Texten von Fallada und einem biografischen Teil geworden ist. Ein Handlungsstrang beschreibt, wie Fallada nach einem tätlichen Angriff auf seine Frau im Gefängnis sitzt und dort den Roman »Der Trinker« verfasst. Auch eine Erzählung aus seinem ebenfalls sehr autobiografischen Band »Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein« ist dabei. Junkies lebten offenbar vor fast hundert Jahren nicht viel anders als heute.

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Tatsächlich haben Sie viele Details der Graphic Novel sehr aktuell gestaltet.

Damit heutige Leser einen Anknüpfungspunkt haben. Man wird außerdem dem Medium Graphic Novel nicht gerecht, wenn man eine literarische Vorlage nur Eins zu Eins umsetzt. Als Comic-Autor muss man seinen eigenen Blick auf die Welt einbringen und etwas Neues schaffen.

Die verschiedenen Ebenen der Graphic Novel spiegeln sich ja auch in der Farbgestaltung wieder.
Ich arbeite mit vier Schmuckfarben und zeichne zu jeder einen Schwarzweißfilm. Die Mischfarben entstehen im Druck – wobei ich mich auf eine ganz limitierte Palette festlege. Fallada selbst taucht immer nur im Gefängnis auf, da reduziert sich die Farbigkeit auf Blau und ein bißchen Rot. Die Geschichte aus »Der Trinker« ist Comic-hafter, fast ein wenig grell gestaltet, die Morphinismus-Passage schwarz und orange. Et cetera.

Wie entstand die Typo?

In der »Traumnovelle« war alles Handlettering, jetzt habe ich meine Handschrift digitalisiert. Was sehr praktisch ist, zumal das Buch gleichzeitig in Frankreich erscheint. So kann man das Lettering vereinheitlichen.

Die Graphic Novel »Der Trinker« ist am 12. Oktober beim Berliner Metrolit Verlag erschienen. 

 

 

Jakob Hinrichs, Hans Fallada: Der Trinker
Graphic Novel
Ca. 17 × 24 cm
Gebunden
160 Seiten
Durchgängig vierfarbig
ISBN 978-3-8493-0110-1

 

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