Die neue Faszination fürs realistische Zeichnen

Im Interview erzählt Illustrator Jérémy Schneider, wie er höchst realistische Zeichenkunst mit zeitgemäßem Design verbindet.



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Menschen und Dinge geradezu täuschend echt zu zeichnen oder zu malen, ist momentan wieder äusserst angesagt. In PAGE 9.2015, die am 5. August an den Kiosk geht und die Sie hier bestellen können, stellen wir fünf Illustratoren vor, die auf ganz unterschiedliche Weise dem aktuellen Trend zur (scheinbar?) realistischen Abbildung pflegen. Einer von ihnen ist der 28jährige Jérémy Schneider, der in Paris das Designstudio Violaine et Jérémy betreibt. Als Illustrator wird er hierzulande von der neuen Frankfurter Repräsentanz Wildfoxrunning vertreten.

Hallo Jérémy, kannst du uns ein wenig über dein Designstudio erzählen und wie sich Design und Illustration dort verbinden?

Meine Partnerin Violaine und ich haben das Studio seit 2012. Wir sind bei Art-direktoren und Grafikdesigner, aber ich bin zudem Illustrator. Wir leben und arbeiten zusammen, sind also im Job und im Leben ein Team!

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Design und Illustration lasst ihr auch bei der Gestaltung des Trend-Magazins »Influencia« einfließen.

Vor drei Jahren war »Influencia« noch zu 100 Prozent digital. Als die Macher aus ihrer Marke auch ein gedrucktes Magazin machen wollten, beauftragten sie uns mit dem Layout. Es war unser erstes Zeitschriften-Projekt! Wir entwarfen die Titeltypo und das Layout und beschlossen, für die Bebilderung Illustrationen zu benutzen (wie du gemerkt haben wirst, haben wir einen natürlichen Hang zur Illustration …). Wir wollten, dass das Magazin zeitlos aussieht, nicht trendy. Einfach elegant mit einer starken Identität, die sich über die Zeit hinweg frisch erhält.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Das ist nicht leicht, aber zusammenfassend würde ich sagen: Meine Arbeit ist sehr präzise und sorgfältig, mit skurrilen Anklängen und einem starkem Interesse am Ausdruck meiner Charaktere.

Kannst du mit dem Begriff Hyperrealismus etwas anfangen, beschreibt er deine Arbeit?

Ich war immer fasziniert von Caravaggio, Pieter Claesz oder zeitgenössischen Künstlern wie Ernest Pignon Ernest. Das kann man nicht wirklich als Hyperrealismus bezeichnen, aber es gibt auf jeden Fall eine Analyse der Macht von Licht und Schatten bis ins Detail hinein. Als ob die Personen und Dinge echt wären, wir sie berühren könnten.
Der Hyperrealismus von Chuck Close & Co ist technisch höchst beeindruckend, aber die Bilder sind oft sehr kalt. Ich liebe den Hyperrealismus – und mag ihn manchmal gar nicht. Weil die Technik so perfekt ist, beeindruckt sie die Betrachter durch das dahinsteckende Können, aber manchmal verbirgt das einen Mangel an Ideen, das Fehlen eines persönlichen Universums. Manchmal sieht man im Internet, dass Zeichner mit einer unglaublichen Technik ziemlich überflüssige Bilder zeichnen. Man könnte meine Arbeit wohl teilweise als hyperrealistisch beschreiben, aber meine Technik ist bedeutungslos ohne die Themen, die ich wähle, wie ich sie interpretiere und was meine Zeichnungen erzählen.

Welche Werkzeuge benutzt du und wie sieht dein Arbeitsprozess aus?
Meine Werkzeuge sind Bleistifte, schwarze Kreide oder auch manchmal Buntstifte. Ich zeichne immer mit der Hand, nie am Computer. Meistens bitte ich Freunde, für mich zu posieren. Ich »dirigiere« sie, fotografiere sie, während sie eine Rolle spielen. Es ist wichtig, dabei gute Expressionen und Energie einzufangen. Danach mache ich einige Skizzen und Kompositionen. Bei Aufträgen ist es bei meiner Technik nicht einfach, auf das Feedback der Kunden zu reagieren. Darum gibt es zur Abstimmung immer erstmal eine Runde von Skizzen, bevor ich mit der endgültigen Zeichnung anfange.

Eine deiner ungewöhnlichsten Auftragsarbeiten ist vielleicht »Jeu de doigt«.
Das war ein Auftrag des Magazins »Society« für einen Artikel über Les Chandelles, den berühmtestes Swinger-Club in Paris. Ich war völlig frei bei den Illustrationen. Keine Tabus, keine Zensur. Also beschloss ich, ein erotisches Würfelspiel zu illustrieren, mit vielen interessanten kleinen Szenen. Auf Französisch nennt man solche Spiele »jeu de l’oie«, aber ich habe es unbenannt in »Jeu de doigt«, was sich fast genauso anhört wie der richtige Name des Spiels, aber »Fingerspiel« bedeutet. Ein Wortspiel also …


Lesen Sie die ganze Geschichte zum Thema »(Hyper-)Realistische Illustration« in PAGE 09.2015! Dort stellen wir Ihnen weitere begnadete Zeichner vor.

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