Absturz in Blackpool und die Frage: Darf man solche Fotos machen?

Und wir dachten, die Junggesellenabschiede auf der Reeperbahn seien schlimm … Der Fotograf Dougie Wallace zeigt die wirklichen Abstürze im einstigen Familien-Badeort Blackpool.



Blackpool – aus der Serie »Stags, Hens & Bunnies«

Zur 6. Triennale der Photographie in Hamburg zeigt die Freelens Galerie, Ausstellungsort von Deutschlands größtem Verein der Fotojournalistinnen und Fotojournalisten, die berühmte Serie Stags, Hens and Shoreditch Wildlife von Dougie Wallace, die unterschiedlichste Fragen aufwirft.

Doch erst einmal auch in pures Staunen versetzt. Was der Schotte an den zahlreichen Wochenenden, die er von seiner Wahlheimat London aus in das Seebad Blackpool reiste, festhielt, zeigt eine Feierkultur, die ins Tragikomische kippt.

Einst Urlaubsparadies für britische Familien, die sich mittlerweile jedoch mit dem Billigflieger in noch billigere südliche Gefilde aufmachen, lebt Blackpool heute vor allem von den Stags and Hens, den Hirschen und Hühnern, wie die Junggesellen – und Junggesellinnen-Abschiede in Großbritannien heißen. Wochenende für Wochenende fallen Horden Partywütiger junger Briten in Togas, Tarzankostümen, mit Heide-Zöpfchen oder im Häschen-Outfit in das Städtchen ein, die Pubs haben rund um die Uhr geöffnet – und Montag Morgen hat die Müllabfuhr einen besonders anstrengenden Einsatz.

Wallace hat die Kamera draufgehalten, zeigt Komasaufen, wilde Abstürze, bunte Parties, entgleiste Hausfrauen und kotzende Studenten, verwandelt den vermeintlichen Freizeitspaß in einen Kampf, bei dem es am Ende vor allem Verlierer gibt.

Doch darf er das? Betrunkene fotografieren, die sich plötzlich in Hochglanzbänden wiederfinden – lange nachdem sie in ihren Alltag zurückgekehrt sind? Freuen sie sich anschließend immer noch so sehr darüber, fotografiert zu werden? Was ist mit dem im Koma zusammengesunkenen?  Haben oder müssen sie ihre Einwilligung geben? Oder nehmen die Stags and Hens es einfach mit so viel Humor wie ihr Partywochenende?

Fragen, die sich bei Wallace immer wieder stellen und auf die es die unterschiedlichsten Antworten gibt – und seine Arbeit noch spannender machen.

Weniger kontrovers ist dagegen das Wildlife, das er im Londoner Stadtteil Shoreditch festhält, wo er das kunterbunte und ungewöhnliche Treiben auf den Straßen dort festhält und eine Kultur, die immer mehr von In-Restaurants, Designagenturen und Hipster-Cafés bedrängt wird, die sich dort niederlassen.

Die Ausstellung Stags, Hens and Shoreditch Wildlife, Wallaces erste in Deutschland, ist noch bis zum 4. September 2015 in der Freelens Galerie zu sehen.

 




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